Hintergrundbild Deutsches Kinderhilfswerk

PP-Nummer-18 PRÄVENTION UND HILFSANGEBOTE AUSBAUEN!

Kinder und Sucht

Kinder und Jugendliche haben nach Studien der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung bereits in sehr jungen Jahren Kontakt zu legalen und illegalen Drogen. Für viele sind der gelegentliche oder auch regelmäßige Konsum von Nikotin, Alkohol und Medikamenten ebenso selbstverständlich wie Cannabis oder Ecstasy. Und auch jenseits von Drogen sind Kinder und Jugendliche durch Suchtprobleme in ihrer persönlichen und gesundheitlichen Entwicklung gefährdet. So gehören bei ihnen beispielsweise Magersucht oder Spielsucht inzwischen zum Alltag.

Kindern und Jugendlichen muss durch gelebte Vorbilder gezeigt werden, dass Sucht kein Ausweg ist, sondern in die Sackgasse führt.

Ein Fünftel der Kinder in Deutschland gibt an, schon einmal betrunken gewesen zu sein. Rund eine halbe Million Jugendliche sind bundesweit alkoholabhängig, zudem konsumieren nahezu alle alkoholkranken Jugendlichen auch Cannabis. Die Zahl der Jugendlichen mit Hang zu riskantem Alkoholkonsum und entsprechenden Alkoholvergiftungen ist in den letzten fünf Jahren um mehr ca. 50 % gestiegen. Besonders gefährdet sind hier wie bei der Alkoholsucht insgesamt männliche Jugendliche, auch wenn sich der Anteil der Mädchen in den letzten 15 Jahren auf 27 % verdoppelt hat. Dahingegen ist der Cannabiskonsum unter Jugendlichen rückläufig: 13 % der 14 – 17-Jährigen gibt an, schon einmal Cannabis ausprobiert zu haben. Dabei liegt die Quote der Jungen viermal höher als die der Mädchen. Auch beim Rauchen sind positive Zahlen zu vermerken: Der Anteil der 12 – 17-Jährigen Raucher ist von 28 % im Jahr 2001 auf jetzt 18 % geschrumpft. Dramatisch sind die Zahlen bei der Spielsucht: Ein Viertel der 15-Jährigen ist durch die Online-Sucht gefährdet, 9 % sind abhängig.

Grundsätzlich sind die Erziehung zur Selbständigkeit und Unabhängigkeit sowie ein gut ausgebildetes Selbstwertgefühl die besten Voraussetzungen, damit Kinder und Jugendliche ein suchtfreies Leben führen können. Zudem sind die Prävention durch Gesundheitsförderung und die Stärkung der Handlungskompetenz wichtige Faktoren.

Bewegung und richtige Ernährung sind ein wesentlicher Bestandteil einer suchtpräventiven Erziehung. Verbote allein sind nicht hilfreich. Viel wichtiger ist es, durch gelebte Vorbilder den Kindern und Jugendlichen zu zeigen, dass Sucht kein Ausweg ist, sondern in die Sackgasse führt. Ihnen muss durch Lob und Anerkennung ebenso wie durch das Aufzeigen von Grenzen und Leistungsansprüchen das Heranwachsen zu starken Persönlichkeiten ermöglicht werden.

Sucht ist auch ein soziales Problem. Es ist festzustellen, dass wie bei den Erwachsenen auch bei Kindern und Jugendlichen das Ausmaß des Konsums und der Abhängigkeit von Tabak und Alkohol bei den sozial benachteiligten Gruppen am höchsten ist. Das gilt insbesondere beim Rauchen. Hier müssen dringend die Rahmenbedingungen geschaffen werden, die Kinder und Jugendliche sinnvoll schützen. Dazu gehören bundesweite einheitliche Regelungen zu rauchfreien Schulen, Schulhöfen, Kindertageseinrichtungen und Kinderspielplätzen sowie der Schutz vor gezielten Werbemaßnahmen der Suchtmittelindustrie.

Kindern und Jugendlichen, die süchtig sind, muss medizinisch und therapeutisch geholfen werden. Es muss allerdings festgestellt werden, dass die meisten süchtigen Kinder und Jugendlichen nicht in medizinischer Behandlung sind und auch ansonsten keine Hilfe in Anspruch nehmen. Das liegt nach Einschätzung von Suchtexperten daran, dass sie das Risiko ihres Drogenkonsums unterschätzen. Außerdem sind sie schlecht über bestehende Hilfsangebote informiert. Auch die medizinische Versorgung ist mangelhaft. Nur 11 % aller Abhängigen bekommt ärztliche Hilfe. Besonders dramatisch ist die Tatsache, dass sie, je jünger sie sind, desto weniger Hilfe erhalten. Und auch die Behandlung von spielsüchtigen Kindern und Jugendlichen muss wie bei den Erwachsenen dringend verbessert werden. Da Spielsucht nicht als Krankheit anerkannt ist, müssen Therapien aus eigener Tasche bezahlt werden, es bleibt für die Betroffenen nur der Ausweg, sich eine psychische Störung attestieren zu lassen.

Kinder und Jugendliche sind aber nicht nur unmittelbar, sondern auch mittelbar vom Thema Sucht betroffen. Nach den statistischen Erhebungen der Deutschen Hauptstelle gegen die Suchtgefahren lebt in jedem dritten Haushalt in Deutschland ein Suchtkranker. Insgesamt sind Kinder aus suchtbelasteten Familien vielfachen Belastungen und Überforderungen ausgesetzt, sind dadurch selbst anfälliger für Süchte und leiden häufig an psychosomatischen Störungen. Präventive Maßnahmen müssen bei Kindern und Jugendlichen ressourcenorientiert und an der Vermittlung von Kompetenzen orientiert sein.

Stand: 09. Juni 2008

Dieses Positionspapier ist Teil der bundesweiten Kampagne des Deutschen Kinderhilfswerkes
zum Thema Chancengleichheit für alle Kinder und Jugendlichen in Deutschland.