Hintergrundbild Deutsches Kinderhilfswerk

Haus-Rat

Kurzbeschreibung:

Methodentyp „Haus-Rat“ und andere repräsentative Methoden von Mitbestimmung im Jugendhaus (Offenen Jugendarbeit). In allgemeinen freien Wahlen bestimmte Vertreter der BesucherInnen eines Jugendhauses bilden ein repräsentatives Entscheidungsgremium, das über alle (oder für Teilbereiche) anstehenden Partizipationsfragen im Jugendhaus entscheidet.

Methodentyp

Spezifische Partizipationsmethode

Altersgruppe:

8 - 20 Jahre

Gruppengröße:

3 - 12 Personen

Gruppeneigenschaften

Teilnehmerrekrutierung

keine Angaben

Dauer

kontinuierlich
regelmäßig

Ort

drinnen und draußen

Anzahl Personal

1

Personal

Jugendpflegerin/Jugendpfleger
pädagogisch geschulte Fachkräfte

Vorbereitungsaufwand

mittlerer

Beteiligungsart

Alltägliche Formen der Partizipation
Kinder- und Jugendvertretungen: Beteiligung über Gremien und Versammlungsformen, Foren

inhaltlich offen

ja

Vorteile:

Die Stärken liegen in der Vereinfachung von Klärungs- und Entscheidungsprozessen (wenn nur Wenige und dann noch auf längere Zeit mitdiskutieren und entscheiden).

Nachteile:

Die Schwächen liegen in den bekannten Problemen repräsentativer Demokratie: Der Kontakt zwischen „Abgeordneten“ und Wählern geht verloren, Funktionärsgruppen mit Macht entstehen, Entscheidungen treffen nicht mehr die Bedürfnisse der Betroffenen und die Räte „heben ab“.

Hinweise für Durchführung:

Im Prinzip werden die Arbeits- und Vorgehensweisen der parlamentarisch repräsentativen Demokratie übernommen. Danach müssten im Prinzip zunächst in einer Art „Grundgesetz“ die prinzipiellen Arbeitsweisen eines solchen Rates, die Wahlregeln, die Entscheidungswege und die Machtbefugnisse festgelegt werden. Häufig wird ein Rat durch die pädagogischen Fachkräfte vorgeschlagen und eingeführt. Es wäre dann Aufgabe eines ersten Rates, gemeinsame Regeln zu erarbeiten.
Im Weiteren müssen geeignete Kandidaten für eine Wahl gefunden werden. Häufig besteht ein Kriterium darin, dass sie unterschiedliche Besuchergruppen repräsentieren sollten. Es muss den Kandidaten klar sein, welche Rechte und Pflichten sie im Rat haben, und sie müssen ihren Wählern deutlich machen, welche Positionen sie vertreten wollen. Es sind also in einer Vorphase des „Wahlkampfes“ verschiedene Arbeitsweisen und Veranstaltungen nötig, mit denen sich die Kandidaten vorstellen und die Wähler sich ein Bild machen können. Schließlich sind die Ratsmitglieder zu wählen, dieses kann geschehen in öffentlichen basisdemokratischen Versammlungen mit öffentlicher Wahl oder in geheimer Wahl über Listen. Der neugewählte Rat entscheidet dann über seine „Geschäftsordnung“, in der die Regeln der gemeinsamen Entscheidungsprozesse und Verhandlungen festgelegt werden. Normalerweise werden dann Vorschläge gesammelt über Themen und Probleme, die behandelt und entschieden werden sollen. Es ist wichtig, darauf zu achten, dass die „Abgeordneten“ immer wieder in Kontakt zu ihren Wählern treten, mit diesen anstehende Entscheidungen diskutieren und deren Positionen erheben und in die Ratsdiskussionen einbringen. Im Konsens oder mit Mehrheit gewählte Entscheidungen müssen ebenfalls an die Wähler kommuniziert werden. Geeignete Formen der Veröffentlichung der Entscheidungen müssen gefunden werden, ebenso wie Regelungen, mit denen die Wähler gegen Entscheidungen protestieren können.

Vorbereitungen:

Insgesamt ist der Aufwand eines Hausrates mittel bis hoch: Es müssen Wahlen durchgeführt werden (mit Vorstellung der Kandidaten und ihrer Programme), Themen und Entscheidungen müssen mit den Wählern vorbereitet und diskutiert werden und Entscheidungen müssen an diese zurückkommuniziert werden.

Personelle Erfordernisse:

Diese Methode sollte von Fachkräften umgesetzt werden.
Die ModeratorInnen sollten hauptamtliche pädagogische Mitarbeiter-Innen oder ausgebildete Honorarkräfe sein, die sich als neutrale „Geburtshelfer“ für die Entscheidung des Rates zur Verfügung stellen

Benötigtes Material:

Dokumentationsmittel (Flipchart, Taglichtschreiber usw.)