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PP-Nummer-10 FIT DURCHS LEBEN!

Kinder und gesunde Ernährung

Eine gesunde Ernährung ist eine der wesentlichen Grundlagen für die Entwicklung und Gesundheit von Kindern und Jugendlichen. Dabei ist das Ernährungsverhalten ein zentraler Bestandteil eines gesunden Lebensstils. Dieser wird wesentlich in den ersten zehn Lebensjahren erlernt und gebildet. Die hier erworbenen Ernährungsmuster behalten Kinder und Jugendliche oft ein Leben lang. Deshalb sind Ernährungs- und Gesundheitsbildung von frühester Kindheit an eine wesentliche Voraussetzung für eine gute Entwicklung unserer Kinder.

Gesunde Ernährung kann Spaß machen und hält dabei körperlich und geistig fit.

Ziele der Ernährung im Kindes- und Jugendalter sind vor allem die Sicherung von Wachstum und Entwicklung, die Vermeidung von Mangelzuständen und die Prävention von ernährungsabhängigen Erkrankungen. Dabei spielen sowohl die allgemeinen Regeln zu einer gesunden Ernährung als auch die Qualität der Lebensmittel eine Rolle. Gesunde Ernährung beeinflusst wesentlich das Konzentrationsvermögen und die Ausdauer von Kindern. Lehrerinnen und Lehrer beklagen eine zu große Zahl von Kindern, die ohne Pausenbrot oder gar ohne Frühstück in die Schule kommen. Viele Schulen insbesondere Ganztagsschulen stellen sich diesem Problem, doch sind zufrieden stellende Lösungen, die alle Kinder erreichen, Mangelware.

Der Verzehr einzelner Lebensmittel in zu hohen Mengen führt zu einer einseitigen Ernährung. Der Vergleich der Nährstoffzusammensetzung einzelner, auch von Kindern und Jugendlichen gern verzehrter Lebensmittel wie süße Limonaden und Fast Food zeigt, dass ein einseitiger und übermäßiger Konsum dieser Produkte mittel- und langfristig die Ernährungsqualität beeinträchtigen kann. Eine Folge dieser falschen Ernährung ist in vielen Fällen Übergewicht, das heute häufigste Ernährungsund Gesundheitsproblem von Kindern und Jugendlichen. Im Vergleich zu normalgewichtigen Kindern und Jugendlichen zeigen übergewichtige Kinder und Jugendliche bereits sehr häufig Risikofaktoren von chronischen
Erkrankungen des Erwachsenenalters.

Eine wesentliche Rolle spielen auch die sozialen „Strukturen“ der Ernährung, beispielsweise regelmäßige Mahlzeiten im Kreise der Familie. Hier ist festzustellen, dass diese ebenso wie auch die soziale Funktion der Mahlzeit zunehmend verloren gehen. An ihre Stelle tritt heute eine Beliebigkeit, die durch häufiges Zwischendurch- und Außer-Haus-Essen sowie den hohen Verzehr von Fertigprodukten gekennzeichnet ist.

Um diesen Problemen, vor allem der nachlassenden Ernährungserziehung durch das Elternhaus gerecht zu werden, kommt der Gesundheitserziehung in Kindertagesstätten und in der Schule eine besondere Rolle zu. Die Kinder und Jugendlichen müssen zu einer kritischen Reflexion des eigenen Ernährungsverhaltens befähigt werden. Es muss jedoch auch deutlich werden, dass gesunde Ernährung Spaß machen kann und dabei körperlich und geistig fit hält. Hier sind Erzieher und Erzieherinnen oder Lehrkräfte gefordert, mit innovativen Konzepten und spielerischen Ansätzen Anregungen zu schaffen und die Eigeninitiative der Kinder und Jugendlichen beim Thema „Gesunde Ernährung“ zu fördern. Wichtig ist dabei, die Kinder und Jugendlichen frühzeitig an der Konzeptionierung zu beteiligen, die Möglichkeit des Ausprobierens und Experimentierens zu geben und die Nachhaltigkeit zu sichern.

Dabei ist es zudem wichtig, auch Kinder und Jugendliche aus sozial schwächeren Bevölkerungsgruppen zu erreichen. Bei ihnen ist in den letzten Jahren zunehmend festzustellen, dass sie sich schlechter ernähren als jene aus höheren Sozialschichten. Deshalb ist hier eine besonders gute Ernährungserziehung vonnöten, die wie bei allen anderen Kindern und Jugendlichen auch die Eltern mit einbeziehen muss. Konzepte zur Förderung einer gesunden Ernährungsweise sollten sich also an der Komplexität des Ernährungsvorgangs orientieren, Qualität und Quantität von Lebensmitteln ebenso berücksichtigen wie individuelle, körperliche Konstitution und psychische Belastungen. Dabei geht es bei der Förderung einer gesunden Ernährungsweise um das Einüben von Kompetenzen, die die psychische, physische und soziale Gesundheit fördern und erhalten. Kindertagesstätten und Schulen müssen deshalb dafür sorgen, dass Kinder und Jugendliche Kenntnisse über die Bedeutung und Zusammensetzung von Lebensmitteln und Ernährung erwerben und dieses Wissen auch im familiären Alltag aktiv umsetzen können.

Auch die Politik muss sich zu ihrer Verantwortung in diesem Bereich bekennen. Kindern und Jugendlichen aus sozial schwächeren Bevölkerungsgruppen muss ein kostenfreies, gesundes Kindertagesstätten- und Schulessen ermöglicht werden. Außerdem müssen mehr als bisher Kampagnen zur gesunden Ernährung von Kindern und Jugendlichen auf den Weg gebracht werden.

Stand: 09. Januar 2007

Dieses Positionspapier ist Teil der bundesweiten Kampagne des Deutschen Kinderhilfswerkes zum Thema
Chancengleichheit für alle Kinder und Jugendlichen in Deutschland.