Hintergrundbild Deutsches Kinderhilfswerk

Eglantyne Jebb

Eglantyne-Jebb-WebEglantyne Jebb wurde im Jahr 1876 in Ellesmere, Shropshire geboren und wuchs auf dem Besitz ihrer Familie auf. Die Jebbs hatten, obwohl sie eine reiche Familie waren, auch ein starkes soziales Bewusstsein und Engagement.

Ihre Mutter hatte die Home Art and Industries Assosiation gegründet, um für das Kunst­ge­wer­be unter jungen Leuten in ländlichen Gegenden zu werben, ihre Schwester Louisa half, die Land­frau­en­ar­mee im Ersten Weltkrieg zu gründen, und ihre Schwester Dorothy, die den Labour-Party-Abgeordneten Charles Roden Buxton heiratete, kämpfte nach dem Krieg gegen die Verteufelung der deutschen Bevölkerung.

Nachdem sie Geschichte in der Lady Margaret Hall, Oxford studiert hatte, wurde Eglantyne Grundschullehrerin, aber die Erfahrung eines Jahres in einer Grundschule in Marlborough überzeugte sie davon, dass dies nicht ihre Berufung war. Sie zog nach Cambridge, um sich um ihre kranke Mutter zu kümmern. Dort begann sie bei der Charity Or­ga­ni­za­tion Society zu arbeiten, der es darum ging, einen modernen wissenschaftlichen Ansatz in die Wohltätigkeitsarbeit zu bringen. So kam es, dass sie ein weit reichendes Forschungsprojekt über die Verhältnisse in der Stadt durchführte. Im Jahr 1906 gab sie ein auf diesen Forschungen beruhendes Buch mit dem Titel „Cambridge - eine Studie über soziale Fragen" heraus.

Als der Krieg zu Ende ging und die deutsche und die österreichisch-ungarische Wirtschaft kurz vor dem Kollaps stan­den, wurde Dorothy und Eglantyne klar, dass die Kinder in diesen Ländern entsetzlich unter den Auswirkungen des Krie­ges und der Alliiertenblockade litten, auch nachdem der Waffenstillstand unterschrieben wurde. „Alle Kriege, ge­recht­fer­tigt oder ungerechtfertigt, verhängnisvoll oder siegreich, sind Kriege gegen Kinder.“ (Eglantyne Jebb) Eine Interessensgruppe, das Komitee zum Kampf gegen die Hungersnot, kam im Jahr 1919 zusammen, um die britische Regierung dazu zu bringen, die Blockade zu beenden.

Bald jedoch verschob sich der Fokus dahingehend, Hilfe zu organisieren. Am 15. April 1919 stellte das Komitee einen Fonds bereit, um Geld für die deutschen und österreichischen Kinder zu sammeln – den Save the Children Fonds. Die Gründung dieser Organsisation wurde am 19. Mai 1919 in der Royal Albert Hall verkündet. Ein Augenzeuge be­rich­tet da­rü­ber: „Die Menschen kamen mit faulen Äpfeln, die sie den Verrätern an den Kopf werfen wollten, die Gelder für die Kinder der Feinde sammeln wollten. Aber sie taten es nicht, sondern hörten Eglantyne Jebb zu. Sie begann zö­ger­lich. Aber angetrieben durch die Leidenschaft für ihre Aufgabe wurde ihre Stimme immer lauter.“ So wurde die Grün­dung von Save the Children ein großer Erfolg und sie sammelten völlig unerwartet in der britischen Öf­fent­lich­keit schnell eine große Summe Geldes und Beamte wurden dazu abgestellt, um die Hilfsarbeit zu or­ga­ni­sie­ren. Der Erfolg des Fonds brachte Eglantyne und Dorothy Jebb auf die Idee, zu versuchen, eine in­ter­na­tio­na­le Be­we­gung für Kin­der ins Leben zu rufen. Und so wurde 1920 in Genf die International Save the Children Union unter Führung des britischen Save the Children Fonds und des schwedischen Rädda Barnen gegründet.

In London war es jetzt Eglantyne Jebb, das verantwortlich war, und sie stellte sicher, dass der Fonds den pro­fes­sio­nel­len Ansatz übernahm, den sie in der Charity Organization Society erlernt hatte. Ein Manager, Lewis Golden, wurde eingestellt, um die Organisation auf eine geschäftsmäßige Grundlage zu stellen. Er übernahm die innovative - und strittige - Methode ganzseitiger Anzeigen in nationalen Zeitungen. Das war sehr effektiv und verschaffte dem Fonds in wesentlichem Maße Einkünfte, um seine Arbeit zu realisieren.

Bei all der Arbeit, die der Fonds leistete, war ein wesentliches Element im Denken von Eglantyne Jebb der Einfluss einer planmäßigen, wissenschaftlich fundierten Herangehensweise. Im Jahr 1923, als die Hilfsleistungen in Russland zum Ende kamen und das Einkommen des Fonds drastisch sank, wandte sie sich einer anderen Aufgabe zu – den Kinderrechten. Sie reiste nach Genf zu einem Treffen des Weltverbandes mit dem Plan einer Kindercharta. Das Ergebnis war ein kurzes und klares Dokument - entworfen von Eglantyne Jebb – welches die Rechte von Kindern erklärte und die Pflicht der internationalen Gemeinschaft, die Rechte des Kindes bei der Planung an die erste Stelle zu setzen. Die Deklaration der Rechte des Kindes, oder die Genfer Erklärung, unter der sie auch bekannt wurde, wurde ein Jahr später vom Völkerbund angenommen.

Mit der Rückkehr des Friedens nach Europa und dem Rückgang der Hilfsleistungen verschob sich der Fokus von Save the Children auf die Bekanntmachung der Deklaration. Im Jahr 1925 fand der 1. Internationale Kongress zur Wohl­fahrt des Kindes in Genf statt. Die Deklaration wurde breit von den Organisationen und Regierungen diskutiert und unterstützt. Eine erweiterte Version der Deklaration wurde 1959 von den Vereinten Nationen angenommen und sie war eine der wichtigsten Inspirationen für die 1989 verabschiedete UN-Konvention über die Rechte des Kindes.