Hintergrundbild Deutsches Kinderhilfswerk

Flanierende Begehung und Beobachtung

Kurzbeschreibung:

Man begeht mit mehreren Personen und/oder in Gruppen einen (oft fremden) Stadtteil oder ein Dorf und erfasst bestimmte Merkmale und Auffälligkeiten für die Dokumentation und spätere Nutzung.

Methodentyp

Sonstige Methode

Altersgruppe:

0 - 99 Jahre

Gruppengröße:

0 - 99 Personen

Gruppeneigenschaften

Teilnehmerrekrutierung

keine Angaben

Dauer

2 bis 4 Stunden

Ort

draußen

Anzahl Personal

6

Personal

Helfer/innen
Moderator/in
pädagogisch geschulte Fachkräfte

Vorbereitungsaufwand

mittlerer

Ziele

erste Bestandsaufnahme
Sensibilisierung und Orientierung im Stadtteil

Durchführung:

Jedes Team geht sein Gebiet ab und füllt dabei den Beobachtungsbogen aus (angetroffene Gruppen, Auffälligkeiten, usw.) und tauscht sich anschließend mit den anderen Teams aus, indem Fotos und Notizen verglichen werden. Dabei ist es wichtig, die Fotos den entsprechenden Notizen zuzuordnen. Es empfiehlt sich die schriftlichen Notizen mit den entsprechenden Nummern der Fotos zu kennzeichnen. Bei Sofortbildkameras können die Nummern direkt auf das Foto geschrieben werden. Dies erleichtert die spätere Auswertung.

Vorteile:

Schnelles und einfaches Kennenlernen des Stadtteils
Orientierungshilf
Wenig Aufwand

Nachteile:

Keine

Hinweise für Durchführung:

Die flanierende Begehung und Beobachtung ist eine erste Bestandsaufnahme, sie dient der Sensibilisierung und Orientierung im Stadtteil und zeigt teilweise schon erste Auffälligkeiten des zu analysierenden Stadtteils/Dorfes auf (Gesamteindruck, Klima, schwache Infrastruktur, informelle Treffs, gefährliche Verkehrspunkte usw.). Diese Methode erleichtert den Einstieg in den Sozialraum, sozusagen ein "erstes Eintauchen".

Im Raum der flanierenden Begehung sollten schon eine breite Palette von Zielgruppen sichtbar werden. Insofern kommt es auch auf einen geeigneten Zeitpunkt der Begehung an. An dieser Stelle gibt es im Allgemeinen noch keine feste Zielgruppe. Es geht um den ersten allgemeinen Eindruck, aus dem sich dann später näher zu untersuchende Zielgruppen ergeben können.

Vorbereitungen:

Als erstes sind Stadtpläne zu besorgen, auf denen man gegebenenfalls schon erste interessante Orte einzeichnet (Erfahrungswerte, Informationen aus Vorgesprächen). Falls man in Teams arbeiten möchte (in größeren Orten), teilt man die Karte in Planquadrate ein und ordnet anschließend jedem Team ein oder mehrere Planquadrate zu

Personelle Erfordernisse:

2 bis 6 Personen des Untersuchungsteams. Zu große Gruppen wirken möglicherweise zu massiv und bedrohend auf bestimmte Jugendgruppen. Ggf. mehrere getrennte kleine Gruppen

Benötigtes Material:

A4-Papier für Notizen Klemmbretter, Stifte, Digital-Kamera und/oder Sofortbildkame-ra, kopierte Stadtpläne, Beobachtungsbögen (siehe Anhang), Doku– Mappe (Leere Mappe, in die für jedes Team sämtliche Notizen, Ergebnisse, Materialien, Hüllen für Fotos, so auch Protokolle von Teamsitzungen, während der Sozialraumanalyse) ge-sammelt werden

Voraussetzungen am Veranstaltungsort:

Geeignete Wetterverhältnisse

Varianten:

Teilnehmende Beobachtung

Sonstiges:

Die flanierende Beobachtung ist eine Variante der teilnehmenden Beobachtung. Es geht dabei um die Beobachtung von sozialen Sachverhalten, Strukturen und Prozessen aus einer äußeren Position heraus (wenn auch innerhalb des Felds). D.h., dass der Beobachter am eigentlichen Geschehen nicht teilnimmt, er beobachtet nur.

Barbara Friebertshäuser erwähnt die nicht-teilnehmende Beobachtung im Zusammenhang mit der Entwicklungspsychologie. Dabei kann die nicht-teilnehmende Beobachtung unter Laborbedingungen z.B. stattfinden. So kann die Untersuchung des Spielverhaltens von Kindern so gestaltet werden, dass jemand hinter einer Glasscheibe sitzt und das Kind beobachtet. Sie beschreibt die Methode aber auch als eine Feldforschungsmethode und dies könnte dann auch die flanierende Beobachtung sein.
Die flanierende Beobachtung kann nicht zuletzt auch dort zum Einsatz kommen, wo die klassische Methode der teilnehmenden Beobachtung, oft praktiziert wurde, nämlich z.B. bei jugendlichen Subkulturen, Obdachlosen auf der Straße oder ähnlichen Gruppen. Die flanierende Beobachtung kann prinzipiell also im selben Bereich eingesetzt werden wie die teilnehmende, mit dem Unterschied der reinen Beobachtung des Geschehens ohne "Teilnahme" i.e. Sinne und ggf. unter Einsatz Dokumentationen (Fotos, Notizen, Begehungsprotokoll).
Der Begriff "Begehung", der auch enthalten ist, beinhaltet die Beobachtung, weiterhin den Aspekt des Kennenlernens des Stadtteils/Dorfes, in dem eine Analyse oder ähnliche Aktionen stattfindet, d.h. auch, dass das Merkmal des festen Ortes, für eine Beobachtung (wie bei der klassischen Variante) nicht gegeben ist.