Hintergrundbild Deutsches Kinderhilfswerk

Spielraum- und Streifraumanalyse - Erkundung in Begleitung Erwachsener
Stadtforscher - Kinder untersuchen ihren Stadteil

Kurzbeschreibung:

Kinder und Jugendliche untersuchen (erkunden, erforschen) nach bestimmten Kriterien ihren eigenen Stadtteil und dokumentieren die Ergebnisse.

Methodentyp

Sonstige Methode

Altersgruppe:

6 - 16 Jahre

Gruppengröße:

3 - 6 Personen

Gruppeneigenschaften

Kinder
Jugendliche

Teilnehmerrekrutierung

feste Gruppen

Dauer

2 bis 3 Stunden
mehrtägig (verteilt)

Ort

drinnen und draußen

Anzahl Personal

2

Personal

Moderator/in

Vorbereitungsaufwand

mittlerer

Beteiligungsart

Projektorientierte Verfahren der Partizipation

Beteiligungsstufe

mittel

Ziele

Bewertung der Lebenswelt aus Sicht der Kinder und Jugendlichen
Einblicke in die Lebenswelt von Kindern und Jugendlichen erhalten
Einblicke in einen Sozialraum bekommen

inhaltlich offen

ja

Durchführung:

Vorbereitung

Am Anfang stehen die Festlegungen des Stadtteils und der Zielgruppe. Dann ist ein Konzept zu entwickeln, in dem die Ziele der Aktion klar definiert sein müssen. Es sind Forscheraufträge und Fragebögen zu entwickeln. Die Räumlichkeiten, in denen die gemeinsame Planung erfolgen soll und das Gebiet, in dem die Aktion stattfinden soll, sind sorgfältig auszusuchen und zur Vermeidung von Überraschungen unbedingt vorher in Augenschein zu nehmen. Wichtig für Kinder und ihre Anliegen können die Bekanntmachung der geplanten Aktion und die Zusammenarbeit mit den örtlichen Medien sein.

Durchführung

Als Beispiel für die Realisierung und Umsetzung eines Stadtforscherkonzeptes kann ein Stadtforscherprojekt in Flensburg angeführt werden (siehe Literaturangabe). Bei diesem Projekt gab es einen Stand, an dem die Kinder sich meldeten und einen Forscherausweis bekamen. Beim zweiten Stand, der Forschungsauftragsvergabestelle konnten sich die Kinder aussuchen, was sie erforschen wollten (z.B. Schul- und Kindergartenwege, Spielplatztests, Verkehrszählungen, Interviews mit Menschen im Stadtteil, Fotodokumentationen ).
Weiterhin gab es Stellwände mit Fragen wie:
- Was müsste es im Stadtteil noch geben?
- Was ist blöd im Stadtteil und was ist toll im Stadtteil?

Auf diese Wände konnten die Kinder ihre prägnanten Antworten schreiben. Nicht vergessen darf der Aspekt der Aufsichtspflicht. Das heißt konkret, dass den Kindergruppen Begleitpersonen zur Verfügung stehen müssen. Es können parallel auch Indoor Aktivitäten wie z.B. Interviews oder das Erstellen subjektiver bzw. objektiver Landkarten stattfinden, wobei man überlegen muss, ob man dabei dieselben Kinder und Jugendlichen befragt, die auch Forschungsaufträge durchführen oder ob man andere Kinder und Jugendliche heranzieht, um so eine größere Bandbreite zu erhalten.

Als letztes wäre die Auswertung und Dokumentation zu bewältigen, die nach einer größeren Aktion viel Zeit in Anspruch nehmen kann (Poster auf den Stellwänden, Polaroid- und andere Fotos, Videoschnitt, Zusammenfassung der Ergebnisse aus den Forscheraufträgen und Fragebögen, Herstellen einer schriftlichen, vervielfältigten und veröffentlichten Dokumentation, Zeitungsartikel u.ä.)

Hinweise für Durchführung:

Bei dieser Methode geht es darum, dass nicht Erwachsene einen Stadtteil untersuchen, sondern dass Kinder und Jugendliche dies selbst tun und aus ihrer Sichtweise heraus den Stadtteil bzw. das Dorf unter die Lupe nehmen.Dies geschieht durch einfache Methoden wie z.B. Interviews mit Passanten bzw. mit Kindern und Jugendlichen, Fotostreifzüge, Verkehrszählungen, Spielplatztests u.ä.. Diese Forscheraktionen stehen unter einem zuvor ausgewähltem Thema. Die Erwachsenen begleiten i. d. R. die Kinder und Jugendlichen (Aufsichtspflicht). Die Aktivitäten und das Umfeld dieser Forscheraktion werden dem Alter der Kinder und Jugendlichen entsprechend gestaltet. Ein besonderer Schwerpunkt dieser Methode ist oft die Spiel- und Streifraumerkundung

Diese Methode ist geeignet, um den Stadtteil aus der Sicht der Kinder und Jugendlichen darzustellen. Durch sie wird aufgezeigt, wie Kinder ihre Umwelt sehen, welche Kriterien sie an die Beurteilung ihres Quartiers legen, was ihnen wichtig ist und wo sie Problemschwerpunkte sehen. Die zu erforschenden Themen könnten z.B. folgende sein:

- Schulwege
- Verkehr
- Umwelt/Ökologie.

Bei der ausschnitthaften Konzentration auf eine reine Spiel- und Streifraumanalyse können aberfolgende Themen Schwerpunkt sein:
- Treffpunkte
- die positiven und negativen Orte aus Sicht der Kinder und Jugendlichen
- Spielräume
- Streifräume.

Es geht um die Räume, die Kinder ohne öffentliche Verkehrsmittel erreichen können. In diesen Räumen ihrer Lebenswelt treffen sich die Kinder alltäglich, oft ungeplant und eher zufällig, z.B. zum Spielen. Solche Spielräume sind nicht zu unterschätzen. Auch hier findet Sozialisation statt. Sie sind darum ein wichtiger Faktor in jedem zu untersuchenden Stadtteil bzw. Dorf. Was an diesen Orten fehlt oder geändert werden sollte, wissen die Kinder die dort leben, am besten. Durch die Miteinbeziehung der Kinder bei der Gestaltung solcher Plätze wird sichergestellt, dass die Kinder diese Plätze annehmen und auch Verantwortung übernehmen. Diese Kinder würden nicht zulassen, dass ein anderes Kind auf einen von ihnen mitgestalteten Spielplatz Vandalismusschäden erzeugt. Dies ist ein wichtiger Gesichtspunkt für die Kinder. Durch die Beteiligung im frühen Stadium wird also gesichert, dass solche Spielräume einen besonderen Wert für die Kinder darstellen.

Vorteile:
Die Methode ist aktivierend und motivierend.Hier können die Kinder und Jugendlichen selbst forschen. Die Kinder merken, dass ihre Meinung wichtig und gefragt ist. Die Teamer lernen den Stadtteil aus der Sicht der Kinder kennen. Wichtige Informationen, die Erwachsenen sonst entgehen würden, werden über das Expertenwissen von Kindern erfasst.

Nachteile:
Recht hoher Aufwand in Durchführung, Auswertung und Dokumentation.

Pädagogische Hinweise:

Die Teilnehmerzahl ist abhängig von den zur Verfügung stehenden personellen und technischen Ressourcen und auch von der Zeit, die man zur Auswertung der Ergebnisse hat. Wenn möglich, sollte man mehrere kleine Gruppen (mit 3 - 6 Kindern und 1 - 2 Erwachsenen) parallel laufen lassen, anstatt mit einer größeren Gruppe zu arbeiten. Geeignet insb. für Kinder (mit veränderter Profilbildung ggf. auch für Jugendliche).

Personelle Erfordernisse:

Hängen von der Größe der Aktion ab: pro Kleingruppe mindestens ein Erwachsener (besser - wegen der simultanen Dokumentation und Protokollierung - zwei).

Benötigtes Material:

Materialien für eine kleinere Aktion: Stelltafeln mit entsprechenden Leerpostern, dicke und dünne farbige Eddingstifte, Kugelschreiber, Nadeln, Nadelkissen, Doku-Mappen, Klemmbretter, kopierte Forscheraufträge und Fragebögen, Kassettenrecorder und Mikrofon, Video- und Fotokameras, Sofortbildkameras.
Die Hilfsmittel und Materialien für eine länger andauernde Aktion müssen entsprechend aufgestockt werden.

Voraussetzungen am Veranstaltungsort:

Gut zugängliches Gelände und die Möglichkeit, sich bei schlechtem Wetter auch einmal in schützenden Räumlichkeiten unterzustellen oder zu planen, in die Technik einzuführen und Absprachen zu treffen. Stelltafeln (Moderationstafeln) für das gemeinsame Briefing

Sonstiges:

Besondere Aufmerksamkeit ist der sinnvollen Einbindung der qualitativen Ergebnisse einer solchen Aktion und Methode in die sonstigen (auch quantitativen) Ergebnisse einer Sozialraumanalyse zu widmen (Gewichtung und Einordnung).