Hintergrundbild Deutsches Kinderhilfswerk

Runder Tisch (für Kinder)

Kurzbeschreibung:

Runde Tische sind demokratische Gesprächsforen. Möglichst viele relevante Interessengruppen kommen zu einer Problemstellung zusammen und erarbeiten im Konsens Lösungen.

Methodentyp

Spezifische Partizipationsmethode

Altersgruppe:

10 - 21 Jahre

Gruppengröße:

15 - 100 Personen

Gruppeneigenschaften

Kinder

Teilnehmerrekrutierung

gewählte TeilnehmerInnen/Vertreter/Delegierte
offene Gruppen

Dauer

stundenweise auf mehrere Tage verteilt

Ort

Nicht angegeben

Anzahl Personal

3

Personal

siehe Verlauf / Beschreibung

Vorbereitungsaufwand

hoch

Materialbedarf

mittlerer

Durchführung:

Allgemeines zum "Runden Tischen":
"Runde Tische" kamen und kommen in allen Bereichen unserer Gesellschaft vor. Zu breiter Bekanntheit und Popularität gelangte dieses Modell der Bürgerbeteiligung aber erst in der Wendezeit, in der der Zentrale Runde Tisch und viele lokale Runde Tische beim Übergang der DDR zu einer neuen Zukunft eine große Rolle spielten. Seither verbinden viele Menschen mit dem Begriff "Runder Tisch" einen neuen Politikstil, eine neue Art der Bürgerbeteiligung, Dialog und konstruktiven Umgang verschiedener Gesellschafts- und Interessengruppen miteinander, Engagement und Bereitschaft zu Konsens.
Inzwischen wird die Bezeichnung aber gerade aufgrund ihrer Attraktivität, Griffigkeit und Popularität für viele Veranstaltungsformen verwendet. So fällt es auch schwer, zum Kern der Methode vorzudringen. Sagen lässt sich, dass "Runde Tische" demokratische Gesprächsforen sind, die möglichst viele Interessengruppen zusammenbringen und sich damit Segmentierungstendenzen in der Gesellschaft und der politischen Meinungs- und Entscheidungsbildung entgegensetzen. Die Bezeichnung transportiert diesen Gedanken anschaulich: "Wir sitzen gemeinsam an einem Tisch". "Runde Tische" bringen alle relevanten Interessengruppen zusammen, um gleichberechtigt und auf gleicher Augenhöhe zu arbeiten, denn runde Tische haben keine Ecken und keine Stirnseite, es gibt keine Wortführer und Vorsitzenden. Alle haben das gleiche Stimmrecht. Die Gesprächleitung übernimmt eine neutrale Moderation.
In der Literatur wird häufig vor einer Institutionalisierung dieses Instrument gewarnt: "Runde Tische können und sollen keine Nebenparlamente oder Beiräte sein. Eine dauerhafte Institutionalisierung könnte Gefahren der Routinisierung bergen. Auch könnte sich der "Runde Tisch" zu einem "Closedshop" etablierter Interessen gegenüber neuen Entwicklungen wandeln" (Bornath/ Zanger/ Pinkepamk 1998). Aus diesem Grunde sollten "Runde Tische" immer einen konkreten Anlass haben und projekt- und zielorientiert sein. Nach der Problemlösung bzw. Aufgabenerfüllung werden sie aufgelöst. Liegt ein neues Problem vor, konstituiert sich dann ein neuer "Runder Tisch". Das heißt nicht, dass sie nicht einen Status von Regelmäßigkeit und Institutionalisiertheit haben können. Als Angebot können sie in dieser Form existieren. Nur die Zusammensetzung muss nach Problem, Aufgabe und Funktion unterschiedlich sein. Nur so können sie deutlich von anderen repräsentativen Formen, wie Parlamenten und Beiräten unterschieden werden.
Die Zusammensetzung orientiert sich nicht daran, möglichst alle gesellschaftliche Gruppen, Organisationen usw. zu erfassen. Vielmehr geht es (neben dem Kriterium der Betroffenheit) um eine möglichst breite Repräsentation von Interessenlagen und Bedürfnissen, d.h. um die Interessenzugehörigkeit. Interessengruppen wählen und entsenden Vertreter an den Runden Tisch. Überschneiden sich die Interessen verschiedener Gruppen, müssen diese sich auf einen gemeinsamen Vertreter einigen.
Ein wichtiger methodischer Baustein sind Vorbereitungs-, Koordinierungs- und Arbeitsgruppen. In ihnen sollte sich ebenfalls die Vielfalt der beteiligten Interessen wiederspiegeln.
Der Erfolg "Runder Tische" hängt zum einen von der Akzeptanz und Kooperationsbereitschaft der Beteiligten ab. Zum anderen ist entscheidend, welcher Stellenwert und welche Einflussmöglichkeiten ihm als Forum von Seiten der Politik eingeräumt werden und welche gesetzlichen Möglichkeiten gegeben sind.
"Runde Tische" tragen auf jeden Fall als Instrument der Beteiligung große Potenziale in sich. Sie stiften Initiative, fördern Dialog und Kommunikation, sie vermitteln, sie beraten und informieren. Sie können zum Sprachrohr bzw. zum Anwalt ansonsten benachteiligter Gruppen werden. Sie liefern kreative, konstruktive und auf einem breiten Konsens basierende Lösungen.

Runde Tische für Kinder:
Inzwischen werden "Runde Tische" auch zur Beteiligung von Kindern und Jugendlichen eingesetzt. Beispielhaft soll hier der "Runde Tisch für Kinder" in Leipzig beschrieben werden, der 1991 aufgrund einer Elterninitiative ins Leben gerufen wurde.
Vornehmlich ging es darum, ein Sprachrohr für die Artikulation der Bedürfnisse und Interessen von Kindern gegenüber der Politik und Verwaltung zu schaffen.
Dieses Modell eines "Runden Tischs" setzte sich aus zwei Bausteinen zusammen.
a) wöchentliche Arbeits- und Vorbereitungsrunden (Kleine Runde Tische)
b) vierteljährliche Versammlungen (Großer Runder Tisch)
An den Vorbereitungstreffen nehmen engagierte Kinder und Jugendliche teil. In vier verschiedenen Arbeitsgruppen tagen sie zu den Bereichen Umwelt, Schule, Recht-Ordnung-Sicherheit und Freizeit. Innerhalb dieser Bereiche erarbeiteten sie zu eigenen Themen Vorschläge zur Verbesserung der Lebenssituation. Auf der Tagesordnung standen beispielsweise Verbesserung der Schulwegsicherheit, Spielplatzgestaltung, Schulhofumgestaltung sowie Planungsvorhaben der Stadt. Unterstützt wurden die Kinder und Jugendlichen von Vertretern des "Stadtrats für Jugend, Schule und Bildung" und des Jugendhilfeausschusses. Je nach Anlass und Thema bestand zudem die Möglichkeit, verantwortliche Vertreter und Fachleute aus Politik und Verwaltung einzuladen.
Die Vorbereitungen der Arbeitsgruppen flossen als Arbeitsgrundlage in den "Großen Runden Tisch" ein, zu dem grundsätzlich alle Anliegen und Themen der Kinder und Jugendlichen zugelassen waren. In Anwesenheit von Vertretern der Verwaltung und der parlamentarischen Ausschüsse diskutierten die Kinder und Jugendlichen am Runden Tisch ihre Themen. Abschließend wurden Petitionen verfasst, die über den Jugendhilfeausschuss an die betroffenen Ämter mit der Bitte um Stellungnahme weitergeleitet wurden. Eine zufriedenstellende Dokumentation der Ergebnisse liegt uns nicht vor.

Hinweise für Durchführung:

- Hinsichtlich der Beteiligungsart lässt sich hier keine eindeutige Aussage treffen. Die Arbeitsgruppen haben basisdemokratischen Charakter, ihre Ergebnisse werden aber durch Delegierte vertreten. Da "Runde Tische" aber im Idealfall projektbezogen sind, ist dieser repräsentative Charakter nicht allzu hoch zu bewerten. Die Vertreter sind in diesem Fall nur für einen begrenzten Zeitraum Sprachrohr einer Interessengemeinschaft.

Pädagogische Hinweise:

keine

Vorbereitungen:

siehe Verlauf/Beschreibung

Personelle Erfordernisse:

je nach Durchführung

Benötigtes Material:

Der Materialbedarf ist abhängig von der Art der Durchführung.

Voraussetzungen am Veranstaltungsort:

je nach Durchführung und Teilnehmerzahl

Varianten:

keine

Sonstiges:

keine Angaben