Hintergrundbild Deutsches Kinderhilfswerk

Moderationsmethode

Kurzbeschreibung:

Mit Hilfe der Moderationsmethode werden Meinungsbildung und Entscheidungsfindung in Gruppen unterstützt und Prozesse strukturiert. Wesentliche Merkmale sind die hohe Selbstbeteiligung der Teilnehmerinnen und Teilnehmer, die Visualisierung sowie eine Vielzahl von erprobten Instrumenten.

Methodentyp

Spezifische Partizipationsmethode

Altersgruppe:

10 - 99 Jahre

Gruppengröße:

6 - 100 Personen

Gruppeneigenschaften

Kinder (mit guter Lesekompetenz)
Jugendliche
Erwachsene

Teilnehmerrekrutierung

ausgewählte TeilnehmerInnen/Gruppen
feste Gruppen
gewählte TeilnehmerInnen/Vertreter/Delegierte

Dauer

je nach Ziel und Thematik

Ort

Nicht angegeben

Anzahl Personal

2

Personal

Moderator/in

Vorbereitungsaufwand

hoch

Materialbedarf

hoch

Beteiligungsart

Projektorientierte Verfahren der Partizipation

Beteiligungsstufe

mittel

inhaltlich offen

ja

Durchführung:

Die Moderationsmethode gehört zu den Pionieren unter den Methoden, die einen Beitrag zur Mitbestimmung, Demokratie und Gleichberechtigung leisten. Ihre Entwicklung begann Ende der 60er Jahre. Im Laufe der Zeit ist sie zu einem komplexen Verfahren geworden, dessen Darstellung den hier gegebenen Rahmen sprengen würde. Aus diesem Grunde sollen hier nur einige wichtige Merkmale zur Darstellung kommen, die einen Eindruck über Wesen und Aufbau der Methode vermitteln sollen. Unter Literatur finden Sie Hinweise auf ausführliche Darstellung der Methode und Praxishilfen.
Im Wesentlichen setzt sich die Methode aus drei Basiselementen zusammen:
a) Die Haltung und Einstellung der Moderation
b) Die Frage- und Antworttechnik
c) Die Visualisierung
Die Moderation:
Sie hat die Aufgabe, die Gruppe auf dem Weg zur Entwicklung eigenen Willens und der eigenen Erkenntnis zu begleiten. Die moderierende Person fördert den Meinungsbildung- und Entscheidungsfindungsprozess, ohne inhaltlich einzugreifen oder zu steuern. Sie ist Helfer in einem von der Gruppe gesteuerten Prozess ("Fragen statt Sagen!").

Die Frage und Antworttechnik:
Sie dient der Problemsammlung und Strukturierung. Dabei ist entscheidend, dass alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer ihre Bedürfnisse, Wünsche, Probleme und Vorschläge gleichberechtigt einbringen. Im Mittelpunkt stehen "gute" Fragen, die nicht suggestiv sind, sondern motivieren und zu differenzierten und konkreten Antworten führen. Es wird in der Regel unterschieden zwischen Sammelfragen (Kartenfrage und Zuruffrage), Bearbeitungsfragen und Transparenzfragen.

Die Visualisierung:
Sie ist der wichtigste Pfeiler der Methode. Alle Informationen, Fragen und Aussagen werden schriftlich gesammelt und meist an Pinnwänden visualisiert. Die Visualisierung nutzt neben der Sprache den "optischen Kanal" und dient zur Entlastung des Gedächtnisses. Der "rote Faden" bleibt für alle sichtbar. Inhalte, Ergebnisse und Prozesse werden nachvollziehbar und zu jeder Zeit, auch zu einer späteren Verwendung oder Dokumentation, abrufbar. Darüber hinaus werden Strukturen sichtbar, Wichtiges wird von Unwichtigem getrennt.

Zum Ablauf einer Moderation gibt es kein eindeutiges Schema. Die Durchführung variiert je nach Zielgruppe, Thema, Zielsetzung usw.
Zur Orientierung kann folgende Grobgliederung dienen:
1. Einstieg (Orientieren, Kennenlernen, Anwärmen)
2. Themen sammeln
3. Themen auswählen
4. Themen bearbeiten
5. Maßnahmen planen
6. Abschluss

Für jede Phase steht inzwischen ein umfangreiches und erprobtes Instrumentarium zur Verfügung. Die moderierende Person als "Methodenexperte" schöpft aus diesem Repertoire, um der Situation, der Zielgruppe und der Thematik angemessen zu reagieren.
Außerhalb des eigentlichen Moderationsprozessen schließen sich zudem noch die Phasen der Moderationsvorbereitung und im Anschluss an die Moderation die Phase der Umsetzung der geplanten Maßnahmen, Projekte usw. an.

Die Vorbereitung einer Moderation ist besonders wichtig und aufwändig. Sie muss sich im Vorfeld eingehend mit den Rahmenbedingungen und der Thematik auseinandersetzen. Zudem sollten dieTeilnehmenden nie unvorbereitet sein, sie sollten einen Eindruck davon haben, was sie erwartet. Auch dem äußeren Rahmen, wie z.B. Raumgestaltung, Abendprogramm bzw. Rahmenprogramm und Verpflegung kommt eine Bedeutung zu. Besonders aufwändig ist die Vorbereitung der Pinnwände und sonstigen Materials.
Es wird immer wieder betont, dass zur erfolgreichen Durchführung einer Moderation nur Wissen und Theorie über die Methode allein nicht ausreichen. Bei der Moderation handele es sich um ein "Kunsthandwerk", bei dem es vor allem auf die richtige Haltung, Geschicklichkeit und Erfahrung ankomme.
Ungeschult sollte diese Methode nicht durchgeführt werden. Inzwischen gibt es ein umfangreiches Angebot an Lehrgängen (siehe auch das Angebot der "Werkstatt für Demokratie" beim Deutschen Kinderhilfswerk e.V.).

Hinweise für Durchführung:

- Die Dauer einer Moderation ist sehr unterschiedlich und hängt von vielen Faktoren, wie Thematik, Gruppengröße und Zusammensetzung, Zielsetzung usw. ab. Aus diesem Grunde kann hier keine eindeutige Aussage gemacht werden.

Pädagogische Hinweise:

keine

Vorbereitungen:

siehe Verlauf/Beschreibung

Personelle Erfordernisse:

Die Moderation sollte in der Methode geschult sein und Erfahrungen mit ihr haben.

Benötigtes Material:

umfangreiches Moderationsmaterial,
Pinnwände
und vieles mehr (siehe Verlauf/Beschreibung)

Voraussetzungen am Veranstaltungsort:

zahlreiche Pinnwände, Flipchart, Stühle, ein großer Raum mit Stellflächen für Pinnwände

Varianten:

keine

Sonstiges:

Die Ursprünge der Methode werden allgemein in der Zeit der Studentenrevolten gesehen. Hier wuchs das Bedürfnis nach mehr Mitbestimmung heran. Doch es fehlte an geeigneten Instrumentarien, die Gleichberechtigung ermöglichten. Zeitgleich entstand in der Wirtschaft das Bedürfnis, Planungsprozesse effektiver zu gestalten. Allzu oft liefen Planungen an den Bedürfnissen der Betroffenen und des Marktes vorbei. Aus dieser Situation heraus entwickelte Eberhard Schneller und seine Unternehmensberatung „Quickborner Team“ das „Entscheidertraining“. Als später Karin Klebert und Einhard Schrader zum "Quickborner Team" dazu kamen, entwickelten sich die Grundzüge der Moderationsmethode, die in den Anfängen "Metaplan-Methode" genannt wurde. Die Methode verbreitete sich zunächst in der Wirtschaft und griff schließlich auch auf andere gesellschaftliche Bereiche über. 1980 erschien das erste umfassende Methoden-Buch zur Methode von Kleber, Schrader und Straub (siehe Literatur).