Hintergrundbild Deutsches Kinderhilfswerk

Objektive Landkarte
Punktmethode

Kurzbeschreibung:

Kinder kennzeichnen in vergrößerten Ortsplänen durch farbige Punkte die Orte, an denen sie sich gerne aufhalten, aber auch gefährliche oder angstbesetzte Orte. So entsteht ein Gesamtergebnis der Gruppe mit interessanten Häufungen, die Anstoß zur Weiterarbeit bieten.

Methodentyp

Sonstige Methode

Altersgruppe:

10 - 21 Jahre

Gruppengröße:

10 - 60 Personen

Gruppeneigenschaften

Kinder
Jugendliche

Teilnehmerrekrutierung

feste Gruppen

Dauer

45 bis 90 Minuten

Ort

drinnen

Anzahl Personal

4

Personal

Helfer/innen
Moderator/in

Vorbereitungsaufwand

gering

Beteiligungsart

Projektorientierte Verfahren der Partizipation

Beteiligungsstufe

niedrig

Ziele

Aufschluss über das Freizeitverhalten von Kindern und Jugendlichen
Erzeugen eines einfachen und groben Bewegungs- und Zeitdiagramm der Kinder und Jugendlichen
mit Kindern und Jugendlichen in Dialog und Kontakt treten

inhaltlich offen

ja

Durchführung:

Jede Kleingruppe benötigt einen Ortsplan. Diese bekommt man oft günstig oder kostenlos in Fremdenverkehrsämtern, Reisebüros oder Touristeninformationsämtern. Wenn der Maßstab des Ortsplans zu klein ist, um darauf etwas einzutragen, wird er vergrößert. Dies ist in einigen Copy-Shops bis zu einer Größe von 1 x 1 Meter möglich. Dorf- oder Gemeindepläne gibt es häufig auch im Bau- oder Planungsamt beziehungsweise im Vermessungsamt.

Durchführung

Jede Kleingruppe bekommt einen Ortsplan und das nötige Material. Die Gruppe breitet den Ortsplan so aus, dass er für alle Mitmacher der Kleingruppe gut erreichbar ist.

Die Kleingruppen bekommen nun folgende Aufgaben:Tragt Eure Schulwege in den Ortsplan ein (alternativ: den Weg zum Jugendzentrum, zum Verein, zum Sportplatz ...)! Kennzeichnet mit roten Klebepunkten die Stellen, die ihr gefährlich findet:
- Wo ist es gefährlich?
- Hattet ihr schon mal irgendwo einen Unfall?
- Wo wäre euch fast einmal ein Unfall passiert?
- Gibt es andere Gefahrenquellen?

Markiert mit grünen Klebepunkten die Orte, die ihr positiv findet:
- Wo findet ihr es schön?
- Wo kann man gut spielen?
- Wo haltet ihr euch gerne auf?
- Wo trifft man andere Kinder beziehungsweise Jugendliche?

Die Kinder/Jugendlichen schreiben parallel auf Karten, was sie an den jeweiligen Stellen gefährlich oder gelungen finden. Damit diese Erklärungen später den richtigen Punkten auf dem Ortsplan zugeordnet werden können, werden die Punkte und Erklärungen durchnummeriert. Durch die schriftlichen Notizen gehen keine Argumente verloren, und die Ergebnisse sind auch für Dritte verständlich.
Bei jüngeren Kindern ist es sinnvoll, wenn eine Moderatorin/ein Moderator das schriftliche Dokumentieren übernimmt. Sie/er achtet darauf, dass die Original-Aussagen der Kinder aufgeschrieben werden und nicht etwa "Erwachseneninterpretationen".

Zum Schluss stellen die Kleingruppen ihre Ergebnisse der Gesamtgruppe vor, in der gerne weiter diskutiert werden kann. Die Ortspläne und Erklärungen der Punktmethode können später an professionelle Planerinnen/Planer weitergegeben werden (einfache Übergabe).

Spannender und häufig auch erfolgversprechender ist es, wenn die Planungsverantwortlichen eingeladen werden und mit den Kindern/Jugendlichen in einen direkten Dialog treten (über die von ihnen bearbeiten Ortspläne). Die Punktmethode kann zu verschiedenen Themen und Fragestellungen durchgeführt werden. So können zum Beispiel bei einer Spielraumuntersuchung

Schöne Orte
- Wo kann ich gut spielen?
- Wo spiele ich gerne?

Blöde Orte
- Wo ist es für Kinder unzumutbar?
- Wo kann man nicht gut spielen? gekennzeichnet werden.

Vorteile:

Mit dieser Methode können viele Kinder und Jugendliche auf eine recht einfache Weise innerhalb einer kurzen Zeitspanne sehr effektiv befragt werden. Man erhält mit dieser Methode quasi einen einfachen Kinder und Jugendstadtplan. Das grobe Ergebnis (der entstandene Stadtplan) ist mit einem Blick zu erfassen. Es liegt sofort eine Dokumentation der Ergebnisse vor.

Pädagogische Hinweise:

Wenn mit zu wenigen Kindern gearbeitet wird entsteht kein sehr repräsentativer Kinder und Jugendstadtplan. Die Methode eignet sich eher für ältere Kinder, die schon Pläne lesen können und für Jugendliche.

Vorbereitungen:

Material besorgen

Personelle Erfordernisse:

4-8 Teamer sind hier erforderlich, je nach Größe der Aktion und Anzahl der Kleingruppen

Benötigtes Material:

pro Kleingruppe ein Ortsplan (DIN A 0), grüne und rote Klebepunkte (alternativ: grüne und rote Filzstifte oder Nadeln), große Papierbögen

Stelltafeln, viele farbige Stifte, Nadelkissen, Doku- Mappe, evtl. Sofortbildkameras

Voraussetzungen am Veranstaltungsort:

Soll diese Aktion outdoor (z.B. auf öffentlichen Plätzen) durchgeführt werden, ist trockenes und windstilles Wetter wichtig (sonst fliegen die Tafeln mit den Stadtplänen davon). Soll die Aktion drinnen stattfinden, sind ein ausreichend großer und heller Raum

Varianten:

Vorbereitung

An erster Stelle stehen die Fragen, wo die Aktion durchgeführt werden soll und wer erreicht werden soll. Man kann diese Methode durchaus ohne feste Gruppen an öffentlichen Plätzen durchführen und im Vorfeld auch die lokalen Medien zur Bekanntmachung nutzen. Effektiver ist im Allgemeinen aber die Durchführung im Rahmen einer Einrichtung (Schule, Jugendzentrum). Wählt man diese Form, sind der Termin, die Räumlichkeiten und die Einladung der Kinder und Jugendlichen mit der Leitung der Einrichtung abzuklären. Wählt man das offene Angebot, sind ggf. auch dort Zuständige (z.B. im Falle eines Pausenhofes die Schulleitung) anzusprechen. Bei dieser Variante besteht die Schwierigkeit darin, Kinder und Jugendliche zur Teilnahme zu bewegen bzw. überhaupt erst einmal einen Zugang zu ihnen erhalten. Es stellt sich dabei oft die Frage, ob Einladungen per Aushang oder Plakat, Wurfsendung u.ä. ausreichen oder ob man weitergehende Bekanntmachungsstrategien entwickeln muss. Ein ausreichender Satz aus Stadtplänen ist zu kopieren und im Falle eines zu kleinen Maßstabes zu vergrößern.

Durchführung

Bei einer reinen Indoor-Aktion (es kann aber auch beides verbunden werden) kann man für einen geregelten Ablauf mehrere "Stationen" im Raum errichten.
An der ersten Station wird die Methode erklärt.
An der zweiten Station gibt es Stifte und Material.
Die dritte Station ist die eigentliche Station mit den Stadtplänen. Es sind in diesem Fall mehrere Tische und Teamer erforderlich, um ausreichende Hilfestellungen geben zu können. Es kann auch in Kleingruppen gearbeitet werde, so dass die drei Stationen wiederum in mehrere aufgeteilt werden kann. Zunächst wird der Schulweg mit farbigen Stiften von den Teilnehmenden eingezeichnet. Wichtig sind bei dieser Methode mehrere Stadtpläne. Denn wenn beim Einzeichnen der Schulwege zu viele Teilnehmenden eine Karte benutzen müssen, wird diese nach und nach unübersichtlich. Alternativ oder ergänzend zum Schulweg kann auch der Weg ins Jugendzentrum oder zum Verein eingetragen werden. Anschließend kennzeichnen die Teilnehmenden gefährliche Stellen mit roten Klebepunkten oder roten Filzstiften oder roten Nadeln:
- Welche Plätze haltet ihr für gefährlich?
- Wo hattet ihr schon mal fast einen Unfall?

Bei einer Spielraumuntersuchung können folgenden Fragen gestellt werden:
- Wo haltet ihr euch nicht so gerne auf?
- Wo kann man schlecht spielen?

Orte die als positiv empfunden werden, werden mit grünen Klebepunkten oder Stiften oder Nadeln ge-kennzeichnet. Leitfragen könnten hierbei sein:
- Welche Orte findet ihr schön?
- Wo könnt ihr gut spielen?
- Wo seid ihr gerne?

Beim Einzeichnen in den Stadtplan empfiehlt es sich, neben dem gekennzeichneten Ort, für jeden/e Teilnehmer/in einen Buchstaben zu setzen und eine Zahl für jeden Ort (po-sitive und negative Orte) zu vergeben. Auf einem DIN-A-4 Blatt wird dann die entsprechenden Nr. eines Ortes geschrieben und darunter schreibt jeder/e Teilnehmer/in seinen Buchstaben und notiert daneben Alter und Name und warum dieser Ort für sie positiv oder negativ ist, so dass z.B. folgendes Bild entsteht: Es gibt zwei organisatorische Möglichkeiten:

1. Jede Kleingruppe beantwortet sämtliche Fragen auf einem (ihren) Stadtteilplan
2. Auf jedem Stadtplan wird jeweils nur eine einzige Fragestellung (z.B. schlechte Orte) bearbeitet. Die Kleingruppe läuft dann diese Stationen nacheinander an.

Der Vorteil der zweiten Methode ist die effektivere Dokumentation und Auswertung. Es muss nicht noch einmal zusammengefasst werden. Weiterhin können auf diesem Blatt die Anzahl der Aufenthalte pro Woche und eine grobe Zeiteinschätzung des täglichen Aufenthalts am jeweiligen Ort angegeben werden.

Anschließend werden die Blätter auf der Stellwand neben den Stadtplan gepinnt. Bei wenigen Teilnehmern und genügend Platz auf dem Poster und dem Stadtplan, kann direkt auf das Poster geschrieben werden. Auf diese Art und Weise erhält man eine Art Legende zu den Treffpunkten, guten und schlechten Orten usw..

Bei Kindern, die noch nicht so gut oder gerne schreiben, übernehmen das die Teamer. Man kann die Aktion auch mit Interviews verbinden. Dann sollte man sich aber auf jeden Fall während der Durchführung Notizen machen oder die Stellungnahmen der Kinder auf Moderationskarten mitschreiben.

Es gibt grundsätzlich zwei Möglichkeiten für die Methode "Objektive Landkarte":

1. Reine Indoor Aktivität: Arbeiten mit Plänen, ggf. ergänzende Nachfragen durch die Teamer (mit Protokollierung) oder ergänzendes halboffenes Interview.

2. Outdoor Aktion: Start mit einer Begehung und paralleler Bearbeitung der Stadtpläne (mit Begehungsprotokoll), Befragung direkt vor Ort

Wichtige Leitfragen für Interviews während der Durchführung:
- Wie oft geht ihr an diesen Ort?
- Was macht ihr an diesem Ort?
- Wie erreicht ihr diesen Ort?
- Seid ihr an diesem Ort alleine oder mit Freunden?
- Was wünscht ihr euch für diesen Ort?

Sonstiges:

Praxisbeispiel: Ausschnitt aus einem Projektbericht aus Hirthals (Dänemark) über ein Gespräch, das nach einer Punktuntersuchung zwischen Kindern einer 5. Klasse und einem Planungsverantwortlichen stattfand:
Im Anschluss konnten die Kinder über kleine und große Details aus dem Verkehr berichten, von denen der Stadtplaner auf andere Weise nicht hätte erfahren können. Details, denen gemeinsam war, dass sie für die Kinder wichtig waren. Zum Beispiel Büsche, die die Aussicht versperrten, der Radweg, der an einer Stelle eine verkehrte Neigung hatte, so dass man leicht stürzte, der Lieferwagen der Nerzfarm, der nicht anhielt wenn er den Radweg passierte, das Regenwasser, das über den Radweg lief und ihn bei Frost zu Glatteis gefrieren ließ, der Tunnel, wo man danach geblendet war, und die Autos, die auf dem Radweg parkten oder "erlaubt oder unerlaubt" am Straßenrand. Und viele andere Dinge!". (Stiftung Mitarbeit 1992, S. 110)

Die Punktmethode hat sich bei der Dorfentwicklung, bei Spielraumplanungen, Verkehrsplanungen, Bauleitplanungen, in der Stadtsanierung und beim Wohnungsbau bewährt.