Hintergrundbild Deutsches Kinderhilfswerk

Kinderversammlung

Kurzbeschreibung:

Kinder aus der Kommune oder dem Stadtteil kommen zur Diskussion von verschiedenen Anliegen und Themen zusammen. Vorschläge werden unterbreitet und Anträge gestellt. Verantwortliche aus Politik und Verwaltung sind als Ansprechpartner anwesend und übernehmen Patenschaften für die Anliegen der Kinder.

Methodentyp

Spezifische Partizipationsmethode

Altersgruppe:

6 - 14 Jahre

Gruppengröße:

20 - 100 Personen

Gruppeneigenschaften

Kinder

Teilnehmerrekrutierung

feste Gruppen
offene Gruppen

Dauer

ca. 2 Stunden

Ort

Nicht angegeben

Anzahl Personal

6

Personal

Moderator/in
Planungsgruppe
Verantwortliche/r

Vorbereitungsaufwand

hoch

Materialbedarf

hoch

inhaltlich offen

ja

Durchführung:

Kinderversammlung sind inzwischen ein weit verbreitetes Instrument zur Beteiligung von Kindern. Ihre jeweilige Konzeption und Durchführung unterscheiden sich zum Teil stark. Dies ist auch notwendig, denn Kinderversammlungen sollten niemals starr, sondern immer den Bedürfnissen vor Ort, der jeweiligen Situation und Zielgruppe, angepasst sein.
Im Folgenden werden allgemeine Hinweise und eine mögliche Version einer Kinderversammlung vorgestellt.
Allgemeine Zielsetzung:
Mit der Einrichtung einer Kinderversammlung soll ein ernsthaftes und kindgerechtes Angebot zur Einflussnahme in der Gesellschaft bzw. dem Gemeinwesen verwirklicht werden. Kinderversammlungen fördern den Kontakt und den Dialog zwischen Verantwortlichen, Entscheidungsträgern und Betroffenen und schaffen Transparenz. Die Kinder erfahren, dass sie und ihre Anliegen ernstgenommen werden, sie werden in ihrem Handeln bestärkt und motiviert. Für die Verantwortlichen aus Politik und Verwaltung eröffnet sich hier die Chance, eine "bürgernahe" und "bürgergerechte" Politik zu machen, Planungsfehler zu vermeiden und kreative Potentiale zur Problemlösung zu nutzen.
Zielgruppe:
In der Regel wendet sich das Angebot an die Altersgruppe der 6- bis 14-jährigen. Dies ist bereits eine breite Fächerung, denn gerade in dieser Altergruppe sind die Unterschiede in Fertigkeiten und Fähigkeiten, Bedürfniss und Wünsche usw. groß. Dies muss bei der methodischen Gestaltung berücksichtigt werden.
Angesprochen werden alle Kinder eines vorher festzulegenden Gebiets. Dies kann, je nach Größe, eine Kommune, ein Stadtteil usw. sein. Das Gebiet sollte überschaubar sein, seine Einwohner gemeinsame Anliegen verbinden. Ziel muss es darüber hinaus sein, ein möglich breites Spektum an Bevölkerungsgruppen zu erreichen, denn nur so lässt sich die Vielfalt der möglichen Interessenlagen einfangen und widerspiegeln.
Die Beteiligten:
Um eine möglichst große und repräsentative Gruppe von Kindern zu erreichen, müssen möglichst alle in der Kinder- und Jugenarbeit Aktiven und alle Einrichtungen, die mit Kindern der genannten Zielgruppe arbeiten, an der Vorbereitung, Durchführung und Nachbereitung beteiligt werden. Nur so können alle relevanten Informationen weitergegeben werden, zur Teilnahme aktiviert werden und Bedürfnisse und Wünsche gesammelt und gebündelt werden. Darüber hinaus sind die Mitarbeiter für die Kinder in den Einrichtungen ein greifbarer Ansprechpartner und Begleiter im Beteiligungsprozess. In der Regel sind die Schulen die wichtigsten Ansprechpartner, da hier (Dank der Schulpflicht) alle Kinder erreicht werden können.
Einbezogen werden sollten (und müssen zum Teil) auch übergordnete Stellen, wie Schulämter und Polizei, sowie Elternvertretungen, Stadtteilinitiativen usw.
Fachleute, Verantwortliche und Entscheidungsträger stehen den Kindern zunächst in beratender Funktion zur Seite. Aber im Sinne eines zielorientierten Arbeitens kommt ihnen in der Nachbereitung eine besondere Verantwortung zu. Sie übernehmen verbindlich die "Patenschaft" für ein Anliegen, bemühen sich um Veränderung, bleiben mit den Betroffenen in Kontakt und erstatten regelmäßige Bericht über Fortschritte sowie Rückschläge.
Öffentlichkeit spielt zur Durchsetzung von Forderungen eine große Rolle. Aus diesem Grunde muss eine enge Zusammenarbeit mit örtlichen Medien angestrebt werden.
Im Vorfeld:
Kinderversammlungen sind sehr vorbereitungsintensiv. Genehmigungsverfahren sind oft langwierig. Zahlreiche Vor- und Informationsgespräche mit Beteiligten müssen geführt werden (siehe oben). Richtwerte gibt es nicht, aber in der Regel sollte etwa vier Monate vor der Kinderversammlung ein Organisationsteam gegründet werden und mit den Vorbereitungen beginnen.
Die eigentlichen Vorbereitungen zur Kinderversammlung, d.h. das Finden, Festlegen und Ausarbeiten der Themen durch die Kinder in den Einrichtungen sollte nicht zu früh erfolgen (drei bis vier Wochen vor der Veranstaltung), denn Kinder haben in mancher Hinsicht keinen langen Atem und fackeln nicht gerne lange herum. In dieser Phase bedarf es oft Hilfestellung bei der Auswahl kindgerechter Methoden und Präsentationsformen. Modellbau, Sketche, Gemälde, kleinere Filmproduktionen usw. sind beispielsweise Formen, die zum Einsatz kommen können und die Kinderversammlung lebendig gestalten.
Zur Themenauswahl:
In der Regel finden sich mögliche Themen leicht. Sie beinhalten konkrete und aktuelle Probleme und wurden unter Umständen schon vorher in den Einrichtungen diskutiert. Themen sollten fassbar sein und einen konkreten Anlass haben. Auch wenn man die Ansprüche nicht zu niedrig halten sollte, muss immer im Hinterkopf die Frage sein, ob Ideen und Wünsche auch eine realistische Chance auf Realisierung haben. "Abgehobene" Projekte, die ohnehin keine Chance haben, gefährden den ernsthaften Charakter einer Kinderversammlung und können sie zu einer Schein- und Alibi-Veranstaltung werden lassen. Es geht eben gerade um realistische Möglichkeiten der Einflussnahme, für deren Gelingen die Kinder ebenso wie alle anderen Verantwortung tragen. Durch die Beschäftigung mit den Themen werden die Kinder zu starken, argumentationsstarken und kompetenten Gesprächpartner.
Die Themen werden rechtzeitig vor der Veranstaltung dem Organisationsteam übermittelt. Hier ist die Anfertigung eines Anmeldebogens zu empfehlen, da so sicher gegangen wird, das alle notwendigen Informationen vorliegen (siehe Beispiel).
Die Themen werden als Tagesordnungspunkte aufgenommen. Letztlich sollte es aber immer möglich sein, bis zum letzten Moment Themen einzubringen, bei denen akuter Handlungsbedarf besteht.
Sobald die Themen feststehen, müssen von Seiten der Organisation Fachleute und Ansprechpartner aus Politik und Verwaltung rekrutiert werden. Sie erhalten genaue Informationen und Gelegenheit, sich auf etwaige Fragen vorzubereiten.
Grundsätzliches und Regeln der Kinderversammlung:
Hier ist der Gestaltungsspielraum groß und auch abhängig von der Gruppengröße.
Moderation:
Die Kinderveranstaltung ist in der Regel eine durch einen Erwachsenen moderierte Veranstaltung. Sie führt durch die Veranstaltung entlang der Tagesordnung, sie vermittelt zwischen Fachleuten und Kindern, übersetzt wenn nötig Verwaltungsdeutsch in kindgerechte Sprache, achtet auf die Ernsthaftigkeit und Verbindlichkeit von Aussagen usw. Sie sollte zwar mit den Themen vetraut sein und die richtigen Gesprächpartner auswählen können, darf aber inhaltlich nicht eingreifen.
Raumordnung:
In der Regel sitzen die Kinder in einem Stuhlkreis. Dies versinnbildlicht Gleichwertigkeit und Gleichberechtigung. Erwachsene, die an der Veranstaltung teilnehmen sitzen auf Stühlen, die außerhalb des Kreises stehen. Damit wird deutlich signalisiert: "Hier stehen die Kinder im Mittelpunkt." Erwachsene haben kein Rederecht, es sei denn sie werden gefragt.
Tagesordnung:
Die Tagesordnung ist der rote Faden der Veranstaltung. Sie sollte allen bekannt sein und visualisiert werden. So weiß jeder, was dran ist, wann es Pausen gibt und kann sich darauf einstellen.
Anträge und Beschlussfassung:
Kernpunkt der Kinderversammlung ist die Ergebnisorientierung. Greifbar werden die Ergebnisse in Anträgen, die die Kinder stellen und die von allen beschlossen werden. Anträge werden mit den entsprechenden Beschlüssen schriftlich festgehalten. Dazu wird vermerkt, wer den Antrag eingebracht hat, und welcher Erwachsene sich für die weitere Bearbeitung und Umsetzung bereit erklärt. Durch die schriftliche Fixierung bekommt der Beschluss einen hohen Verbindlichkeitscharakter. Für die Gestaltung eines solchen Formulars steht ein Vorschlag unter (siehe Beispiel) zur Verfügung. Nach welchem Entscheidungs- und Abstimmungsverfahren bei der Beschlussfassung vorgegangen wird, muss vereinbart werden. Nicht zu jedem Thema müssen Beschlüsse gefasst werden. Oft finden sich bereits während der Veranstaltung andere Wege.
Diskussionen und offene Gespräche:
Kinderversammlungen sind in ihrer Struktur mit Antragsstellung und Beschlussfassung an Erwachsenenformen angelehnt, was nicht unbedingt den Bedürfnissen von Kindern entspricht. So sollte jede Kinderversammlung auch die Möglichkeit für einen offenen und freien Dialog zwischen Fachleuten, Verantwortlichen und Experten bieten. Dies kann zum Beispiel in Arbeitsgruppen oder Gesprächsrunden zu bestimmten Themen geschehen. Hier werden oft auch noch weiter Anregungen gegeben, die beispielsweise auf Pinnwänden gesammelt werden können.
Protokoll und Dokumentation:
Während der Veranstaltung wird ein Protokoll geführt. Diese Aufgabe sollte jemand übernehmen, der mit Protokollierung Erfahrung hat, denn das Protokoll ist sehr wichtig und dient als Grundlage für die Arbeit nach der Veranstaltung. Es sollte so schnell wie möglich fertiggestellt werden und dem Organisationsteam für die Nachbereitung zur Verfügung stehen.
Nachbereitung und Patenschaften:
Die Phase der Umsetzung der Ergebnisse ist vielleicht die wichtigste. Denn Kinderversammlungen sind kein Selbstzweck, sie zielen auf konkrete Veränderungen ab.
Im optimalen Fall haben sich zu allen Anliegen und Beschlüssen "Paten" gefunden, also Erwachsenen, die sich bereit erklären, sich für die Umsetzung einzusetzen. Symbolisch wird den Paten ein "Gedächtnisstütze" überreicht (z.B.: eine Kokosnuss, ein Taschentuch mit einem Knoten usw.) Es ist Aufgabe des Organisationsteam zu überprüfen, ob die Paten die Aufgabe ernstnehmen, dass Kontakt besteht zwischen den Kindern und den Paten herrscht und dass regelmäßig Bericht erstattet wird.

Exemplarischer Ablaufplan einer Kinderversammlung (ca. 2 Stunden):
15:00: Eintreffen der Teilnehmerinnen und Teilnehmer, Begrüßung und Vorstellung der Anwesenden durch die Moderation.
15:10: Vorstellung der Tagesordnung (bzw. des Ablaufs) und Einführung in die Themen.
15:15: Präsentation der Ergebnisse und Arbeiten der Kinder zu den unterschiedlichen Themen (pro Beitrag etwa 5 Minuten). Nach jedem Beitrag Formulierung der Forderungen.
15:50: Pause.
16:05: Möglichkeit zum Austausch mit Fachleuten und Verantwortlichen zu bestimmten Themen.
16:20: Bildung von Arbeitsgruppen zu den Themen der Kinderversammlung; Formulierung der Anträge
16:45: Vorstellung der Ergebnisse bzw. der Anträge und Beschlussfassung; Übernahme der Patenschaften.
16:55: Abschlussrunde und Verabschiedung.

Hinweise für Durchführung:

keine

Pädagogische Hinweise:

keine

Vorbereitungen:

Die Vorbereitungen sind zeit- und arbeitsintensiv (siehe Verlauf/Beschreibung).

Personelle Erfordernisse:

Die Personalangabe ist ein Schätzwert. Da die Vor- und Nachbereitung aufwendig sind, werden unter Umständen weitere Helfer benötigt.

Benötigtes Material:

je nach Durchführung (siehe auch Verlauf/Beschreibung)

Voraussetzungen am Veranstaltungsort:

je nach Durchführung

Varianten:

keine Angaben

Sonstiges:

keine Angaben