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Klassenrat

Kurzbeschreibung:

Der Klassenrat stammt aus der Freinet-Pädagogik und findet als regelmäßige Gesprächsrunde auf Klassenebene statt. Der Klassenverband berät, diskutiert und entscheidet gemeinsam über selbstgewählte Inhalte, Regeln, Maßnahmen usw.

Methodentyp

Spezifische Partizipationsmethode

Altersgruppe:

7 - 16 Jahre

Gruppengröße:

5 - 10 Personen

Gruppeneigenschaften

Kinder
Jugendliche

Teilnehmerrekrutierung

feste Gruppen

Dauer

stundenweise auf mehrere Tage verteilt

Ort

Nicht angegeben

Anzahl Personal

1

Personal

Lehrkraft

Vorbereitungsaufwand

mittlerer

Materialbedarf

mittlerer

inhaltlich offen

nein

Durchführung:

Der Klassenrat stammt aus der Freinet-Pädagogik und diente hier vor allem als demokratische Gesprächsrunde von Lehrkräften und Schülerschaft zu konkreten Momenten der Unterrichtsplanung und -gestaltung.
Inzwischen sind seine Funktionen erweitert worden. Hier können Probleme, Konflikte, Ungerechtigkeiten, aber auch die Vorbereitung der Klassenfahrt, ein Projekt usw. thematisiert werden.
1. Der Klassenrat findet meist wöchentlich und unter dem Vorsitz eines Kindes (Präsidentin oder Präsident) statt, das in der Regel von der Klasse für einen bestimmten Zeitraum (Dauer nach Absprache) gewählt wird. Es kommt aber auch vor, dass der Vorsitz nach der Klassenliste rotiert.
2. Für die Sitzungen gelten Regeln, die besprochen und von allen akzeptiert werden müssen.
Die Regeln des Klassenrats:
- alle sitzen im Kreis und können einander sehen
- alle sprechen einander direkt an
- zuhören, nur eine(r) redet
- wenn ich nicht mehr zuhören kann, sage ich es
- keine Außenseiter schaffen
- es gibt keine Fehler
- zum Thema reden
3. Die Sitzungen haben eine Tagesordnung. Die Themen werden im Vorfeld z.B. in einem Briefkasten, an einer Wandzeitung oder direkt vor Beginn des Klassenrats gesammelt.
4. Die Sitzungen werden protokolliert und die Protokolle ausgehängt.
5. Für die Abstimmungen gelten verschiedene Verfahren. Es gibt Konsensbeschlüsse, Mehrheitsbeschlüsse und differenzierte Beschlüsse. Individuelle Bedürfnisse und die Kooperation aller sollten nicht in Widerspruch geraten. Besonders wichtig ist der Grundsatz: Jeder Mensch hat eine Stimme. Das gilt, wie alle anderen Regeln und Beschlüsse, auch für die Lehrkraft.

Hinweise für Durchführung:

- Der Klassenrat sollte stufenweise eingeführt werden. Zunächst sollte die Lehrkraft die Leitung übernehmen und dann nach und nach an den Klassenverband abgeben.
- Der Klassenrat stellt hohe Anforderungen an Lehrerinnen und Lehrer. Wenn es auch sinnvoll ist, bei der Einführung des Klassenrats zunächst die Leitung zu übernehmen, müssen sie doch bemüht sein, diese so schnell wie möglich abzugeben und sich "gleichberechtigt" in den Klassenrat zu integrieren. Das erfordert nicht nur die Fähigkeit, Rollenverhalten abzulegen, sondern beispielsweise auch die Bereitschaft zu lernen, sich zu ändern und eigene Fehler im Gespräch einzugestehen.
- Das Modell wird heute vor allem in Grundschulen in jeder Jahrgangsstufe eingesetzt. Es findet aber auch zunehmend Verwendung in der Sekundarstufe I.
- In der Regel liegt der zeitliche Aufwand wöchentlich zwischen einer und zwei Unterrichtsstunden. Die Dauer ist abhängig von den zu besprechenden Themen.

Pädagogische Hinweise:

- Inzwischen sind viele positive Effekte des Klassenrats belegt:
a) Übung der Ausdrucks- und Argumentationsfähigkeit
b) Verbesserung der Fremd- und Selbstwahrnehmung
c) Übernahme sowie Tragen von Verantwortung
d) Ausbildung der Kooperationsfähigkeit
e) Einübung demokratischer Verhaltensweisen
f) Entwicklung von Selbständigkeit
g) Erlernen und Übung von Konfliktlösungsstrategien
h) soziale Sensibilisierung
i) Förderung des Gruppengefüges

Vorbereitungen:

Die Vorbereitungen sind vom Kenntnisstand und den Erfahrungen der Lehrkraft abhängig (siehe auch Verlauf/Beschreibung).

Personelle Erfordernisse:

Die Lehrkraft sollte sich eingehend mit dem Modell des Klassenrates beschäftigt haben. Zu Beginn kommt ihr die Rolle eine "Geburtshelfers" zu.

Benötigtes Material:

- Wandzeitungen oder "schwarzes Brett" zur Visualisierung von Regeln, Tagesordnungspunkten, Vereinbarungen, Ergebnissen usw.
- "Briefkasten", "Meckerkasten" o.ä. zum Sammeln von Themen, Wünschen, Anmerkungen, Problemen usw.
- evtl. Gong oder Glocke o.ä.

Voraussetzungen am Veranstaltungsort:

siehe Material

Varianten:

keine Angaben

Sonstiges:

keine Angaben