Hintergrundbild Deutsches Kinderhilfswerk

Szenariomethode
Szenariotechnik

Kurzbeschreibung:

Mit Hilfe der Szenariotechnik werden vor allem längerfristige Zukunftsbilder und Entwicklungsprognosen erdacht. Auf ihrer Basis werden Strategien und geeignete Maßnahmen zu einer positiven Zukunftsentwicklung entworfen und in Gang gebracht.

Methodentyp

Spezifische Partizipationsmethode

Altersgruppe:

8 - 99 Jahre

Gruppengröße:

8 - 50 Personen

Gruppeneigenschaften

Kinder
Jugendliche
Erwachsene

Teilnehmerrekrutierung

ausgewählte TeilnehmerInnen/Gruppen
feste Gruppen
offene Gruppen

Dauer

stundenweise auf mehrere Tage verteilt
ganztägig
mehrtägig (zusammen)
mehrtägig (verteilt)

Ort

Nicht angegeben

Anzahl Personal

2

Personal

Komoderator/in
Moderator/in

Vorbereitungsaufwand

hoch

Materialbedarf

hoch

inhaltlich offen

ja

Durchführung:

Die Szenariotechnik ist eine Methode, bei der die Teilnehmerinnen und Teilnehmer ausgehend von der Gegenwart mögliche Zukunftsbilder entwerfen. Sie ist eher zur Behandlung globaler und längerfristiger Fragestellungen geeignet (z.B.: Das Leben in unserer Stadt in der Zukunft, Beteiligung von Kinder und Jugendlichen in 20 Jahren). Zu den möglichen Entwürfen werden gegenwärtige Fakten und Entwicklungsfaktoren als Basis herangezogen und Zusammenhänge und Wechselwirkungen analysiert. Mögliche Lücken werden mit Phantasie und Kreativität geschlossen. Anhand der entstehenden Szenarien können schließlich konkrete Maßnahmen und Strategien geplant und festgelegt werden.
Im Rahmen der Szenariotechnik werden, ähnlich wie bei Werkstattmethoden, Visualisierungsverfahren, Kreativtechniken, teilnehmerorientierte Moderationsmethoden, ganzheitliche, motivierende, lockernde und das Gruppenklima fördernde Methoden eingesetzt.

Entworfen werden in der Regel drei mögliche Zukunftsbilder:
a) Ein positives Extremszenario: Wie könnte die Zukunft im besten Falle aussehen?
b) Ein negatives Extremszenario: Wie könnte die Zukunft im schlimmsten Falle aussehen?
c) Ein Trendszenario: Wie könnte die Zukunft aussehen, wenn sich die jetzige Situation fortschreibt?
Veranschaulichen lässt sich die Methode am sogenannten Szenariotrichter (siehe Beispiel).
Am engsten Punkt des Trichter befindet sich die Gegenwart. Nun öffnet sich der Trichter und wird immer weiter. Die Öffnung des Trichters markiert den größten gedachten Zeithorizont (z.B. die Zukunft in 20 Jahren). An den Rändern der Öffnung sind zwei gegenüberliegende Punkte markiert. Sie symbolisieren jeweils ein positives und ein negatives Extremszenario. In der Mitte der Trichteröffnung positioniert sich das Trendszenario. Zwischen Anfang und Ende des Trichters (engste und weiteste Stelle) können weitere Zeitpunkte markiert werden, die z.B. die Zukunft in 5, 10 und 15 Jahren symbolisieren.

Die Phasen der Szenariotechnik:
Nach einer Vorbereitungsphase schließen sich folgende Phasen an:
a) Problemanalyse
b) Einflussanalyse
c) Deskriptorenanalyse
d) Entwicklung zweier Extremszenarien sowie eines Trendszenarions
e) Entwicklung von Strategien und Maßnahmen zur Problemlösung
Auf diese eigentlichen Kernphasen folgt eine Phase der Nachbereitung.

Die Problemanalyse:
Im Mittelpunkt der Szenariotechnik steht immer ein gesellschaftliches Problem, von dem alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer betroffen sind, und das als lösungsbedürftig empfunden wird. Das Thema wird von der Gesamtgruppe festgelegt und konkretisiert. Nun geht es darum, den Ist-Zustand zu beschreiben. Entweder müssen Informationen zum Sachverhalt gesammelt werden oder sie sind bereits vorhanden. Dabei geht es nicht nur um Zahlen und Fakten, sondern auch um herrschende Meinungen und Einstellungen. Mit dem Abschluss dieser Phase muss das Problem umfassend beschrieben sein, denn diese Beschreibung stellt die Basis für die zu entwerfenden Szenarien dar und muss zuverlässig und stimmig sein.
Die Einflussanalyse:
Ist die Problemanalyse abgeschlossen, werden nun Einflussbereiche und Einflussfaktoren benannt, die auf das Problem einwirken können. Hier eignen sich besonders Brainstorming-Verfahren.
Die ermittelten Einflussfaktoren und -bereiche werden gesammelt und für alle sichtbar angebracht. Wenn möglich sollte sich eine Clusterung anschließen, d.h. Faktoren werden unter verschiedenen Bereichen zusammengefasst.
Beispiel: Einflussfaktoren wie "Straßenbenutzungsgebühr", "Verkehrsberuhigung", "Ausbau des Straßennetzes" können unter dem Einflussbereich "Verkehrspolitik" zusammengefasst werden. Wichtig ist, möglichst viele und umfassende Einflussfaktoren auszumachen.
Die genannten Bereiche stehen aber nicht unabhängig nebeneinander. Sie beeinflussen einander. Mit Hilfe einer sogenannten "Vernetzungsmatrix" wird im nächsten Schritt versucht, diese Zusammenhänge sichtbar zu machen.
Die Einflussbereiche werden dazu in Spalten und Zeilen einer Tabelle (Matrix) übertragen und mit Punkten bewertet (siehe Beispiel).
Bei der Punktvergabe bedeutet 0 = kein Einfluss, 1 = schwacher oder indirekter Einfluss und 3 = starker Einfluss.
Das Ergebnis spielt eine eher untergeordnete Rolle. Ziel ist hier vor allem, Zusammenhänge und Abhängigkeiten zu reflektieren sowie die Diskussion und Kommunikation über den Sachverhalt.
Sind die Punkte vergeben, erfolgt die Auswertung nach Spalten und Zeilen. Die Summe der Spalten nebeneinander gibt die "Aktivsumme" an (Wie stark beeinflusst ein Bereich andere?). Die Summe der Zeilen untereinander gibt die Passivsumme an (Wie stark wird ein Bereich durch andere beeinflusst?).
Die Deskriptorenanalyse:
In dieser Phase wird zum ersten Mal ein Blick in die Zukunft gewagt. Die Einflussfaktoren werden dazu, wenn notwendig, zusammengefasst, eindeutig beschrieben und operationalisiert (Deskriptoren). Aus dem quantitativen Einflussfaktor "Emissionen" wird beispielsweise "Ausstoß von Kohlendioxid durch Autoabgase in Tonnen". Sie sollen wertneutral und sachlich formuliert sein. Nun werden die Deskriptoren in ihrem Entwicklungsverlauf untersucht und beschrieben. Dabei unterscheidet man zwischen "eindeutigen Deskriptoren", deren Verlauf eindeutig und zielstrebig ist (z.B. eindeutige Zunahme, oder Abnahme bzw. wechselhafte Entwicklung), und "alternativen Deskriptoren", die mehrere mögliche Entwicklungsverläufe beschreiben, die sich voneinander deutlich unterscheiden (siehe Beispiel). Die erwarteten Entwicklungsverläufe (eindeutig oder alternativ) werden nun den Einflussfaktoren zugeordnet und zwar jeweils für die unterschiedlichen zu betrachtenden Zeithorizonte.
Die Entwicklung der Szenarios:
Spätestens in dieser Phase teilt sich die Gesamtgruppe in Teilgruppen auf. Die Teilgruppen entscheiden sich nun, welches der drei möglichen Szenarien sie beschreiben wollen.
Dabei sollte darauf geachtet werden, dass positive und negative Extremszenarien zahlenmäßig in etwas gleichgewichtet vorkommen. Ein Trendszenario ist nicht unbedingt notwendig, ist im Gegenteil sogar in der Literatur in seiner Notwendigkeit strittig.
Die Szenarien sollten stimmig und frei von Widersprüchen sein. Egal ob eine positiv oder negative Entwicklung aufgezeigt wird, die Szenarien sollten möglichst "extrem" sein. Um im Bild des Trichters zu bleiben ... sie sollten möglichst weit an den Rändern des Trichters liegen. Relativierungen sind zu vermeiden.
Die Szenarien können vielfältig gestaltet werden (z.B. Briefe, Reiseberichte usw. Denkbar wären auch Rollenspiele, Modelle usw.)
Anschließend werden die Szenarien der Gesamtgruppe - auf möglichst kreative Weise - vorgestellt.
Die Entwicklung von Maßnahmen und Strategien zur Problemlösung:
Die entwickelten Extremszenarien zeigen deutlich, wie groß das Spektrum der möglichen Zukunftsentwicklungen sein kann. Diese Bilder vor Augen kehren die Teilnehmerinnen und Teilnehmer nun zur Ausgangslage, den Ergebnissen Problemanalyse und Faktorenanalyse zurück. Welche Strategien und Maßnahmen sind möglich und notwendig, um eine positive Zukunftsentwicklung herbeizuführen? Was kann jeder einzelne tun? Was kann die Gruppe tun? Was kann die Organisation bzw. Institution tun? usw.
Ziel ist es, einen konkreten Handlungsplan zu entwerfen. Dazu können kreative Methoden eingesetzt werden, denn mehr denn je ist an diesem Punkt Fantasie und Kreativität gefragt. Die einzelnen Maßnahmen sollten auf einer Zeitschiene kategorisiert werden: Was können wir sofort tun? Was folgt dann? Was müssen wir auf einen späteren Zeitpunkt verschieben? Damit die Methode nicht zum reinen Plan- und Gedankenspiel wird, müssen Verantwortlichkeiten und Aufgabenverteilung verbindlich festgelegt werden.

Hinweise für Durchführung:

- Die Szenariotechnik kann in den verschiedensten Alterstufen und Zielgruppen eingesetzt werden. Allerdings ist hier eine methodische zielgruppenorientierte Anpassung notwendig. So kann beispielsweise auf einzelne Phasen verzichtet (z.B. Deskriptorenanalyse) oder können Phasen zusammengefasst werden. Der Phasenverlauf darf auf keinen Fall starr gehandhabt werden.
- Für die Problemanalyse sollte immer umfangreiches Informations- und Quellenmaterial bereit stehen. Dies erfordert eine intensive Vorbereitung von Seiten der Moderation.
- Dementsprechend variabel ist auch die zu veranschlagende Dauer. In extrem verkürzter Form kann sie etwa vier Stunden in Anspruch nehmen. Ist eine ausführliche und gründliche Auseinandersetzung mit der Problematik gefragt, kann die Methode als dreitägige Veranstaltung geplant werden.

Pädagogische Hinweise:

Die Methode fördert die Wahrnehmungs-, Urteils- und Handlungsfähigkeit der Teilnehmerinnen und Teilnehmer. Gerade die Tatsache, dass mit ihrer Hilfe vor allem übergeordnete bzw. globalere Fragestellungen angegangen werden, bei denen den einzelnen normalerweise ein Gefühl der Ohnmacht und Machtlosigkeit überkommt, macht den Reiz dieser Methode aus. Aus "Da können wir ohnehin nichts dran ändern!" wird durch die Aufschlüsselung der Einflussfaktoren die Einsicht gewonnen, dass zwar nicht alles und auch nicht alles zugleich geändert werden kann, aber dass man sehr wohl in der Lage ist, im Kleinen anzufangen und langfristig Veränderungen herbeizuführen. Als unabänderlich wahrgenommene gesellschaftliche Bedingungen und Situationen werden plötzlich beeinflussbar.

Vorbereitungen:

siehe Verlauf/Beschreibung

Personelle Erfordernisse:

keine

Benötigtes Material:

siehe Verlauf/Beschreibung

Voraussetzungen am Veranstaltungsort:

je nach Durchführung, ein großer Raum und Kleingruppenarbeitsräume

Varianten:

keine

Sonstiges:

keine Angaben