Hintergrundbild Deutsches Kinderhilfswerk

Wir-Werkstatt

Kurzbeschreibung:

Die "Wir-Werkstatt" ist eine Beteiligungs-Methode, die auf die Methode "Appreciative Inquiry" (AI) zurückgeht und diese konsequent für Kinder im Grundschulalter umsetzt. Im Mittelpunkt steht das Positive, die Fähigkeiten und Fertigkeiten jedes Einzelnen und die solidarische Zusammenarbeit.

Methodentyp

Spezifische Partizipationsmethode

Altersgruppe:

7 - 13 Jahre

Gruppengröße:

15 - 100 Personen

Gruppeneigenschaften

Kinder

Teilnehmerrekrutierung

feste Gruppen

Dauer

stundenweise auf mehrere Tage verteilt

Ort

Nicht angegeben

Anzahl Personal

1

Personal

Moderator/in

Vorbereitungsaufwand

mittlerer

Materialbedarf

mittlerer

inhaltlich offen

ja

Durchführung:

Die Beteiligungsmethode "Wir-Werkstatt" wurde auf der Basis der aus den USA stammenden Methode "Appreciative Inquiry" (AI) entwickelt. Anders als bei traditionellen Verfahren richtet sich der Fokus hier nicht auf eine kritische Situations- bzw. Problemanalyse. Im Mittelpunkt stehen positive Elemente, die Potenziale und Fähigkeiten, die in einer Gruppe bzw. einem Team vorhanden sind. Nicht Schwächen und Defizite werden thematisiert, sondern vielmehr die Stärken eines jeden einzelnen hervorgelockt und nutzbringend eingebracht.
In der Grundform beinhaltet AI vier Phasen:
a) Discovery (Erkunden, Wertschätzen, Verstehen) - Kennenlernen der Teilnehmerinnen und Teilnehmer und ihrer Stärken
b) Dream (Visionieren) - Wie könnte die Zukunft aussehen?
c) Design (Gestalten) - Ein Bild der Zukunft wird entworfen.
d) Destiny/Delivery (Umsetzen/Verwirklichen) - Kraft entwickeln und die Vision realisieren.
Kern und Herzstück der Methode ist die Phase 1, das "wertschätzende Erkunden". Hier werden nicht nur die in der Gruppe vorhandenen "Schätze" und "Juwelen" geborgen, sondern auch eine einzigartige positive, produktive und kooperative Atmosphäre geschaffen.
Die "Wir-Werkstatt" - als altersgemäße Umsetzung des "Appreciative Inquiry" - stellt ein Partizipationsmodell dar, dass es ermöglicht, auf eine bislang wenig praktizierte Art und Weise Kinder zu beteiligen. Sie trägt zugleich und gleichermaßen zur Entwicklung des Selbstbewusstseins, zur Ich-Stärkung und zur Entwicklung eines neuen Wir-Gefühls in der Gruppe bei. In ihr erleben die Beteiligten Anerkennung, sowohl als Individuen als auch als Gruppe.
Im Folgenden werden die einzelnen Arbeitsschritte der "Wir-Werkstatt" beschrieben. Ein ausführliches Arbeitsmaterial mit Hintergrundinformationen, Arbeitsblättern, Kopiervorlagen und methodischen Hinweisen wurde vom Friedrich-Verlag - Die Grundschulzeitschrift 2002 herausgegeben und ist dort zu beziehen (siehe Literatur).

Voraussetzung für die Durchführung einer "Wir-Werkstatt" ist, dass bereits ein Thema bzw. Projekt gemeinsam mit den Kindern festgelegt wurde.
1. Einstieg: Die Entdeckungsreise beginnt.
Jeder kann etwas gut oder besonders gut. Am Beispiel der Bremer Stadtmusikanten wird verdeutlicht, was Stärken sind.
1.1. Discovery A: Ein Partner-Interview durchführen
Die Kinder führen in Paaren Interviews durch. Fragen sind beispielsweise: Was machst du am liebsten? Was kannst du besonders gut? Worin kennst du dich besonders gut aus?
Für jedes Kind wird auf diese Wiese eine Art Steckbrief erstellt, der zusammen mit allen anderen in einer Ausstellung ausgehängt wird.
1.2. Discovery B: Auf der Suche nach Juwelen - Juwelen sammeln und vorstellen.
Nach dieser eher allgemeinen Vorstellung beraten die Kinder sich in Vierergruppen. Themenbezogen suchen sie nun nach "Juwelen", das sind Fähigkeiten und Fertigkeiten in Bezug auf das Projekt. Beispielhafte Fragen, die jedes Kind sich stellt, sind beispielsweise: Was kann ich besonders gut? Worüber weiß ich viel? Was möchte ich gerne tun?
Die "Juwelen" werden aufgeschrieben und schließlich zu einer "Kette" zusammengefügt. Es folgt eine Vorstellung.
2. Dream: Im Land der Träume
Die Kinder begeben sich nun auf eine Traumreise. Das, was sie sich erträumen und umsetzen wollen, wird in einem "Traumfängernetz" aufgefangen und festgehalten.
3. Design: Träume gestalten - Ideen entwickeln und sich darüber austauschen.
In einem nächsten Schritt werden die Träume mit Hilfe von Zeichnungen, Malbildern oder auch Modellen umgesetzt. Die so entstandenen "Kunstwerke" werden aus- und vorgestellt.
Die Ideen werden besprochen und evtl. ergänzt.
4. Destiny/Delivery: Jede Hand wird gebraucht - Aufgaben in der Gruppe festlegen.
Die Großgruppe wählt nun Ideen aus, die verwirklicht werden sollen. Anschließend überlegt jedes Kind, welche Stärken es wo einbringen kann. In Kleingruppen geht es nun an die Realisierung der Einzelprojekte.
Über die Phasen der Grundform des "AI" hinaus folgen in der "Wir-Werkstatt" zwei weitere:
5. Ergebnisse vorstellen - Am Ziel der Entdeckungsreise.
Die Ergebnisse der gemeinsamen Arbeit werden vorgestellt. Dazu werden auch Gäste eingeladen (öffentliche Würdigung).
6. Als Abschluss findet schließlich eine "wertschätzende Rückbesinnung" statt. Wie zu Beginn finden sich die Kinder in Paaren zusammen und interviewen sich. Leitfragen dabei sind beispielsweise: Welchen Beitrag hat jedes Kind zum Gelingen des Vorhabens beigetragen? Welche Stärken wurden dafür eingesetzt?

Hinweise für Durchführung:

keine

Pädagogische Hinweise:

keine

Vorbereitungen:

siehe Beschreibung/Verlauf

Personelle Erfordernisse:

keine

Benötigtes Material:

siehe Beschreibung/Verlauf

Varianten:

keine

Sonstiges:

keine Angaben