Hintergrundbild Deutsches Kinderhilfswerk

Punktuntersuchung (2)

Kurzbeschreibung:

Auf Riesenstadtplänen werden in Kleingruppen Schulwege, Gefahrenpunkte, Lieblingsplätze usw. eingezeichnet oder mit Klebepunkten markiert.

Methodentyp

Sonstige Methode

Altersgruppe:

8 - 20 Jahre

Gruppengröße:

6 - 30 Personen

Gruppeneigenschaften

Kinder (mit Kompetenz im Kartenlesen)
Jugendliche

Teilnehmerrekrutierung

keine Angaben

Dauer

ca. 2 Stunden

Ort

drinnen

Anzahl Personal

3

Personal

Komoderator/in
Moderator/in

Vorbereitungsaufwand

mittlerer

Materialbedarf

mittlerer

Ziele

Eigene Wahrnehmung dokumentieren
Ist-Zustand beschreiben
Sammlung/Nennung von Kritik/Problemen/Negativem
Sammlung/Nennung von Positivem

Durchführung:

1. Die Gesamtgruppe wird in Kleingruppen aufgeteilt (3-6 Personen).
2. Jede Kleingruppe erhält einen Stadtplan und das benötigte Material. Der Stadtplan wird ausgebreitet (z. B. auf Tischen, auf dem Fußboden, an einer Pinnwand oder an der Wand hängend), so dass er für alle Kleingruppenmitglieder zur Bearbeitung erreichbar ist.
3. Die Kleingruppen erhalten nun folgende Aufgaben:
Zuerst tragen alle ihren Schulweg mit farbigen Filzstiften in den Stadtplan ein (alternativ: den Weg zum Jugendzentrum, zum Verein, zum Sportplatz usw.).
Danach werden mit roten Klebepunkten die Stellen gekennzeichnet (alternativ: mit roten Filzstiften oder mit Nadeln), die die Kinder/Jugendlichen als gefährlich einschätzen: "Wo findet ihr es gefährlich?", "Hattet ihr schon einmal irgendwo einen Unfall?", oder "Wo wäre euch fast einmal ein Unfall passiert?".
Mit grünen Klebepunkten werden dann positiv bewertete Orte markiert (alternativ: mit grünen Filzstiften oder Nadeln): "Wo findet ihr es schön?", "Wo kann man gut spielen?", oder "Wo haltet ihr euch gern auf?".
4. Parallel zum Zeichnen und Kleben auf dem Stadtplan wird auf großen Papierbögen aufgeschrieben, was die Kinder/Jugendlichen an den jeweiligen Stellen gefährlich oder gelungen finden. Damit die Erklärungen auch später den richtigen Punkten auf dem Stadtplan zugeordnet werden können, sollten die Punkte und Erklärungen durchnummeriert werden. Der Stadtplan kann auch auf einen großen Papierbogen geklebt werden, so dass auf dem überstehenden Papier die Erklärungen mit einem Pfeil zu den jeweiligen Punkten hin versehen werden können.
Durch dieses Aufschreiben gehen keine Argumente verloren und die Ergebnisse können an Dritte weitergereicht werden.
Gerade bei jüngeren Kindern kann das Schreiben von der Moderation übernommen werden. Es ist aber darauf zu achten, dass die Aussagen der Kinder aufgeschrieben werden und nicht die eigene "Erwachseneninterpretation".
5. Zum Abschluss der Punktuntersuchung werden die Ergebnisse von den jeweiligen Kleingruppenmitgliedern der Gesamtgruppe vorgestellt, ggf. weiter besprochen und diskutiert.
6. Die Stadtpläne und Erklärungen einer solchen Punktuntersuchung können dann an professionelle Planer weitergegeben werden. Noch sinnvoller als eine einfache Übergabe der Ergebnisse der Punktuntersuchung ist es, die Planungsverantwortlichen einzuladen und mit den Kindern/ Jugendlichen anhand der bearbeiteten Stadtpläne in einen Dialog treten zu lassen (ein Beispiel dafür ist unter "Sonstige Hinweise" aufgeführt).

Hinweise für Durchführung:

- Für welche Situationen geeignet?
a) um Aussagen zur einer Gemeinde aus Kindersicht zu erhalten
b) gut geeignet als Einstieg/erste Bestandsaufnahme bei Planungen mit Kindern und Jugendlichen (z. B. bei Verkehrsplanungen, Dorferneuerungen, Spielraumplanungen ...)
c) als Vorbereitung für den Dialog zwischen Kindern/Jugendlichen und Planern
- Vorteile: schnelle und effektive Methode
- Nachteile: keine
- Gerade bei jüngeren Kindern ist es hilfreich, vor der Punktuntersuchung mit einem Gespräch über den Stadtplan zu beginnen (z. B. "Habt ihr euch schon einmal einen Stadtplan genau angeguckt?", "Wo sind die Straßen?", "Wo sind die Häuser?", "Findet ihr die Schule?", "Wo ist das Schwimmbad?").
- Es kann auch ein Spaziergang mit Stadtplan unternommen werden. Erst wenn die Kinder eine gewisse Orientierung auf dem Stadtplan haben, sollte mit der Punktuntersuchung angefangen werden.
- Es sollte außerdem darauf geachtet werden, dass der Stadtplan nur den Radius umfasst, den die Kinder kennen.

Pädagogische Hinweise:

keine

Vorbereitungen:

Pro Kleingruppe wird ein Stadtplan besorgt. Die Stadtpläne kann man oft günstig oder umsonst in Fremdenverkehrsämtern, Reisebüros und Touristeninformationszentren bekommen. Hat der Stadtplan einen zu kleinen Maßstab, um darauf etwas eintragen zu können, muss er vergrößert werden. Dies ist in einigen Copy-Shops bis zu einer Größe von 1x1 m möglich. Man kann auch versuchen, Kopien vom Bauamt zu bekommen.
Die Pläne werden evtl. auf große Papierbögen geklebt, so dass an allen Seiten ein Rand übrigbleibt (siehe Beschreibung/Verlauf 3.).

Personelle Erfordernisse:

Die Moderatoren sollten über Ortskenntnisse verfügen.

Benötigtes Material:

Pro Kleingruppe ein Stadtplan (am besten vergrößert),
Filzstifte (mehrere Farben),
grüne und rote Klebepunkte (alternativ: grüne und rote Filzstifte oder Nadeln),
große Papierbögen

Voraussetzungen am Veranstaltungsort:

Pinnwände, evtl. Tische, Ein großer Raum, Platz zum Ausbreiten der Stadtpläne (Pinnwände, Tische, Fußboden oder Wand).

Varianten:

Variante 1: Die Punktuntersuchung kann zu verschiedenen Themen und Fragestellungen durchgeführt werden. So können z. B. bei einer Spielraumuntersuchung "Schöne Orte" ("Wo kann ich gut spielen?", "Wo spiele ich gerne?") und "Blöde Orte" ("Wo ist es für Kinder unzumutbar?", "Wo kann man nicht spielen?") gekennzeichnet werden.

Sonstiges:

- Praxisbeispiel:
Ausschnitt aus einem Projektbericht aus Hirthals (DK) über ein Gespräch, das nach einer Punktuntersuchung zwischen Kindern einer 5. Klasse und einem Planungsverantwortlichen stattfand: "Im Anschluss konnten die Kinder über kleine und große Details aus dem Verkehr berichten, von denen der Stadtplaner auf andere Weise nicht hätte erfahren können. Details, denen gemeinsam war, dass sie für die Kinder wichtig waren. Zum Beispiel Büsche, die die Aussicht versperrten, der Radweg, der an einer Stelle eine verkehrte Neigung hatte, so dass man leicht stürzen konnte, der Lieferwagen der Nerzfarm, der nicht anhielt, wenn er den Radweg passierte, das Regenwasser, das über den Radweg lief und ihn bei Frost zu Glatteis gefrieren ließ, der Tunnel, nach dem man geblendet war, und Autos, die auf dem Radweg parkten oder - erlaubt oder unerlaubt - am Straßenrand. Sowie viele andere Dinge!" (Stiftung Mitarbeit 1992, S.110).
Die Punktuntersuchung hat sich bei Spielraumplanungen, Verkehrsplanungen, Bauleitplanungen, in der Stadtsanierung, Dorfentwicklung und beim Wohnungsbau bewährt.