Wie kann die Vertretung von Kinderinteressen dauerhaft und effektiv institutionalisiert werden? Kinder- und Jugendbüros, Kinderanwältinnen und Kinderbeauftragte
Was sind eigentlich Kinderbeauftragte? Beauftragte Kinder – wofür? Und Kinderbüros?
Müssen Kinder da arbeiten? Viele haben von den neuen Erfindungen der Kinderpolitik
noch nichts gehört und die Wenigsten können sich etwas darunter vorstellen.
Mit „Kinderbüros“ und „Kinderbeauftragten“ sind spezielle Einrichtungen gemeint, die
eine Vertretung von Kinderinteressen im Gemeinwesen zum Auftrag haben. Es sind
Einrichtungen, die sich sehr gut eignen die Situation von Kindern in Städten und Gemeinden,
aber auch auf Landes- und Bundesebene zu verbessern.
Zehn Jahre Berufserfahrung als Kinderbeauftragter und gleichzeitig als Leiter eines
Kinderbüros bilden den Hintergrund dieses Urteils. Dazu kommen viele Gespräche mit
Menschen und immer wieder das Studium von Erfahrungsberichten und wissenschaftlichen
Untersuchungen. Als ich den Auftrag bekam, diesen Beitrag zu verfassen, habe
ich mich noch einmal intensiv mit der Arbeit der Kollegen und Kolleginnen befasst und
aktuelle Entwicklungen recherchiert. Einige wichtige Institutionen, die in den 90er
Jahren sehr bekannt waren, sind wieder verschwunden (z. B. das Kölner Amt für
Kinderinteressen, dessen Arbeit wieder ins Jugendamt integriert wurde), gleichzeitig gibt
es vor allem in kleineren Kommunen etliche neue Einrichtungen zur Vertretung von
Kinderinteressen. Auch wenn nicht jede neue Entwicklung recherchiert wurde, lässt sich
feststellen, dass die kinderpolitische Landschaft vielfältiger und bunter geworden ist, aus
allen Erfahrungsberichten und Dokumentationen lassen sich zudem Hingabe und
Engagement der „Akteure“ an die Arbeit herauslesen.
Allerdings habe ich in den zehn Jahren meiner Arbeit auch immer wieder erfahren, dass
viel zu hohe Erwartungen an Kinderbüros und Kinderbeauftragte gestellt werden. Einerseits
sind diese Stellen prestigeträchtig und haben große Wirkung in der Öffentlichkeit.
Auf der anderen Seite können sie nicht die einzige Strategie einer Kommune sein, um
die Situation von Kindern zu verbessern. Vielmehr sollten sie eingebunden sein in Veränderungen
der Jugendhilfe, in neue Konzepte von Schulen und in kommunale Gesamtkonzepte
für mehr Kinder- und Familienfreundlichkeit.
So stellt sich nicht in erster Linie die Frage, ob Kinderbüros oder Kinderbeauftragte der
geeignete Ansatz für eine Kommune für mehr Kinderfreundlichkeit darstellen (viele
Kommunen haben diese Frage gestellt und sind spätestens an den Personalkosten
gescheitert), sondern wie die kinderpolitische Gesamtstrategie einer Kommune aussieht
und wie eine zentrale Organisationseinheit zur Koordination und Bündelung aller hiermit
verbundenen Fragen geschaffen werden kann (die meisten Kommunen nannten diese
Stelle dann „Kinderbüro“ oder die verantwortliche Person „Kinderbeauftragte“). Auf
diese Frage, wie die richtige KinderInteressenvertretung einer Kommune aussehen muss,
gibt es keine allgemeingültige Antwort. Sie muss in jeder Kommune – unter Berücksichtigung
vieler Faktoren – selbst gefunden werden, vor allem müssen wichtige Entscheidungsträger einbezogen werden. Der vorliegende Beitrag will hierzu Erfahrungen
vermitteln, Anregungen geben und Perspektiven aufzeigen.