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Fünf Jahre nach dem Weltkindergipfel in New York


Im Jahr 1990 gab es den 1. Weltkindergipfel der Vereinten Nationen, an dem Erwachsene teilnahmen und einen Aktionsplan zur Verbesserung der Situation der Kinder der Welt aufstellten. Vor fünf Jahren, im Mai 2002, fand der 2. Weltkindergipfel der Vereinten Nationen in New York statt. Und zum ersten Mal in der Geschichte der UNO waren auch Kinder als Delegierte der Mitgliedsstaaten dabei. Sie sollten überprüfen, ob der zehn Jahre zuvor aufgestellte Aktionsplan erfüllt wurde. Die hohen Ziele wurden jedoch in vielen Fällen nicht erreicht und die Lage der Kinder hatte sich nur teilweise verbessert.



Gemeinsam berieten die Kinder, wie die Situation für Kinder weiter verbessert werden kann und sie beschlossen einen neuen Aktionsplan bis 2012, in dem die Handlungsschritte für die nächsten zehn Jahre festgelegt wurden. Aufgabe der Regierungen der Mitgliedsstaaten war es dann, daraus einen nationalen Aktionsplan zu entwickeln.

Aus Deutschland waren dabei: Ellena Schubert aus München, Dominique Hitz aus Regensburg, Konstantin Stern aus Berlin und Marian Brehmer aus Melle.




Nun ist Halbzeit auf dem Weg zum nächsten Weltkindergipfel und kinderpolitik.de hatte Gelegenheit, mit
Konstantin Stern über den letzten Weltkindergipfel und wie es danach weiterging, zu sprechen und folgende Fragen zu stellen:

War die Teilnahme am New Yorker Weltkindergipfel aus heutiger Sicht für die Kinder und Jugendlichen, die in Deutschland leben, ein Schritt nach vorn auf dem Weg zu mehr Kinderfreundlichkeit oder ist das bisher Erreichte nicht doch eher mager? Wie schätzt Du fünf Jahre nach dem Weltkindergipfel die Situation in Deutschland in Sachen Nationaler Aktionsplan ein? Sind die ehemaligen Delegierten überhaupt noch in die Entwicklung involviert?

Konstantin Stern: Meiner Meinung nach war die Teilnahme am Weltkindergipfel ein wichtiger Schritt. Zum ersten Mal durften Kinder und Jugendliche an einer Sondergeneralversammlung teilnehmen. Das entspricht dem Artikel 12 (The child shall in particular be provided the opportunity to be heard in any judicial and administrative proceedings affecting the child...) der UN-Kinderrechtskonvention. Die Kinder und Jugendlichen wurden zu ihren Problemen, Ideen und Wünschen angehört. Dies hat Nachahmer gefunden. So trafen sich z. B. parallel zum G8-Gipfel in Heiligendamm auch hunderte Kinder aus der ganzen Welt (auch organisiert von Unicef), um sich über die G8-Themen auszutauschen und mit den Regierungschefs ins Gespräch zu kommen.

Selbstverständlich ist das ein symbolischer Akt, wie so vieles in der Politik. Es wäre nicht gut zu erwarten, dass die Ideen der Kinder direkt umgesetzt werden. Dazu fehlt ihnen schlicht die demokratische Legitimität. Dass die Kinder jedoch angehört werden, ist nötig und sinnvoll.

Die Kinder haben sich in New York nicht nur Gehör bei den Politikern verschafft, sondern wurden auch von den anwesenden Journalisten befragt. Die Teilnahme der Kinder hat eine für einen derartigen Gipfel ungewöhnlich hohe Medienresonanz erzeugt, auch weil Kinder ein besseres Bild in den Medien abgeben als gelangweilte Politiker in der Generalversammlung. Das hat dazu geführt, dass die Problematik, dass Kinderrechte weltweit nur sehr unzureichend umgesetzt werden, auch in die Welt getragen wurde. Außerdem konnten die Kinder Probleme ansprechen, die von den Politikern nicht thematisiert werden (wie z.B. die Flüchtlingskinder in Deutschland und die damit zusammenhängenden Vorbehaltserklärungen der BRD) und allenfalls von NGO aufgegriffen werden.

In New York wurde beschlossen, dass sich alle Länder einen nationalen Aktionsplan geben müssen, um die UN-Kinderrechtskonvention in Bezug auf die jeweils vorherrschende Situation umzusetzen. In Deutschland haben sich auch Kinder getroffen, um gemeinsam zu entscheiden, was in diesem Dokument auf keinen Fall fehlen darf. Parallel trafen sich die Erwachsenen in Bonn und arbeiteten an dem Dokument. Sehr schön finde ich, dass sich die Kinder in Berlin getroffen haben, während die Politiker sich im Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend in Bonn trafen, was ein klein wenig für die Zukunftsgewandtheit der Kinder spricht :)

Beide Gruppen haben sich auch ausgetauscht, indem einige Erwachsene - so auch die damalige Familienministerin - die Kinder besucht haben  und einige Kinder nach Bonn gefahren sind. Leider ist das verbindliche Dokument der Erwachsenen (mit dem es wegen der Kabinettumbildung 2005 auch Probleme gab) sehr allgemein gehalten und eben nicht besonders verbindlich.

Vielen Dank für das Gespräch.


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