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Mobil für Kinderfreundlichkeit - Erste Berichte aus Heilbronn und Stuttgart

Erste Eindrücke vom Mobil für Kinderfreundlichkeit

Das Mobil für Kinderfreundlichkeit ist auch 2008 wieder on Tour und besucht unterschiedliche Projekte in der ganzen Bundesrepublik. Es sind Projekte, die sich besonders mit den Rechten von Kindern beschäftigen bzw. die Kinder und Jugendlichen mit ihren Themen zu Wort kommen lassen. Auf jeder Station wird ein anderes Recht der Kinder in den Mittelpunkt gerückt. Von den ersten beiden Stationen des Mobils für Kinderfreundlichkeit wollen wir an dieser Stelle berichten.

….in Stuttgart
Kein Kind darf benachteiligt werden

Artikel 30 [Minderheitenschutz]
In Staaten, in denen es ethnische, religiöse oder sprachliche Minderheiten oder Ureinwohner gibt, darf einem Kind, das einer solchen Minderheit angehört oder Ureinwohner ist, nicht das Recht vorenthalten werden, in Gemeinschaft mit anderen Angehörigen seiner Gruppe seine eigene Kultur zu pflegen, sich zu seiner eigenen Religion zu bekennen und sie auszuüben oder seine eigene Sprache zu verwenden.

Am 18. Juli 2008 machte das „Mobil für Kinderfreundlichkeit“ in diesem Jahr seine erste Tour-Station in Stuttgart. Das Mobil und die Botschafterin für die Kinderrechte – die Tigerente waren dort zu Gast in bei den jungen Akteuren von „RapSody“ – einem Musiktheater zum Thema „Heimat und Fremde“. Zwanzig Jugendliche haben zusammen mit einem Orchester und Künstlern ein Stück erarbeitet, in dem sie ihr Verhältnis zu ihrer Heimat in Deutschland und zu ihrer Heimat ihrer Eltern kreativ verarbeiten. Das Stück hatte Anfang Juli Premiere in Stuttgart und wurde von Schülerinnen und Schülern genauso gern besucht wie von den Erwachsenen. Das Deutsche Kinderhilfswerk e.V. nahm das zum Anlass und lud am 18. August 2008 die Jugendlichen und Lokalpolitiker und -politikerinnen zu einer Diskussion über das Thema und über die Mitbestimmungsmöglichkeiten der Jugendlichen an ihren Schulen sowie bei der Integration ein.

Zunächst wurde ein Ausschnitt aus dem Stück gezeigt. Darin ging es um das Gefühl von Heimat und wer sich Deutscher nennt und wer sich als solcher fühlt. Die Szene gab den Anwesenden gleich sehr viele Aspekte zur Diskussion. Die Familien der Mädchen kommen u. a. aus Albanien oder der Türkei und so erzählten sie über ihre ganz eigenen „Integrationsprobleme“, die einher gehen mit der Abnabelung vom Elternhaus, welches sich z. T. grundsätzlich von denen der anderen unterscheidet. Für die Beteiligung in der Schule und die Einbindung der Eltern deutscher und nichtdeutscher Herkunft hatten sie ganz konkrete Ideen. So zum Beispiel einen offenen Tag in der Schule, an dem Eltern, Lehrerinnen/Lehrer und Schülerinnen/Schüler zusammen kommen und jeder das recht hat zu sprechen – vor allem die Schülerinnen/Schüler und zwar ohne Ausnahme. So könnte es ihrer Meinung nach dazu kommen, dass man sich ernsthaft gegenseitig zuhört und die Eltern auch mal verstehen, wie es den Kindern geht.

Die Anregungen werden von den anwesenden Politikerinnen sicherlich in ihrer Arbeit noch aufgegriffen werden. Auch wir vom Deutschen Kinderhilfswerk e.V. zeigten uns begeistert und luden einen Teil der Jugendlichen zur zentralen Veranstaltung zum Weltkindertag am 20. September nach Berlin ein.

… in Heilbronn
Recht auf Meinungsäußerung und Beteiligung

Artikel 12 [Berücksichtigung des Kindeswillens]
Die Vertragsstaaten sichern dem Kind, das fähig ist, sich eine eigene Meinung zu bilden, das Recht zu, diese Meinung in allen das Kind berührenden Angelegenheiten frei zu äußern, und berücksichtigen die Meinung des Kindes angemessen und entsprechend seinem Alter und seiner Reife.

Der Jugendgemeinderat Heilbronn feierte am 19.Juli 2008 ein Jubiläum, nämlich zehnjähriges Bestehen. Mit einem Fest mit Bühne und Bands und zahlreichen ehemaligen Mitgliedern des Jugendgemeinderates der Amtszeiten davor sowie der Ersten Bürgermeisterin Margarete Krug wurde das Jubiläum begangen.

Der Mobilbus war auch da und die Botschafterin der Kinderrechte – die Tigerente – wurde auf den Festplatz gerollt. Am Mobil führten wir spannende Gespräche mit den Mitgliedern des aktuell amtierenden Jugendgemeinderates. Wir haben die Gespräche auch aufgezeichnet und man kann sie sich zum Weltkindertag in Berlin auf der „Straße der Kinderrechte“ anhören.

Seit 1998 gibt es in Heilbronn einen Jugendgemeinderat. Für jeweils zwei Jahre werden 20 Mädchen und Jungen im Alter von 14 bis 18 Jahren gewählt, um sich für jugendrelevante Angelegenheiten einzusetzen.
Zur Diskussion standen das Thema „Jugendfreundliches Heilbronn!?“ und die Frage „Der Jugendgemeinderat - ein Sprungbrett?“. Bei der ersten Frage waren sich die Diskutanten schnell einig, dass es zwar Möglichkeiten für Jugendliche in Heilbronn gibt, aber keine Räumlichkeit, welche die Jugendlichen selbst verwalten und gestalten können für Veranstaltungen jenseits von Konsum. Die zweite Frage zeigte, dass das Engagement im Jugendgemeinderat Einfluss hatte auf die Biografien der Jugendlichen. Sei es als Auswirkung auf ihr Studienfach oder auf ihre weiteren politischen Aktivitäten.
Beim derzeitigen Jugendgemeindrat wurde auf unsere Nachfrage hin angemerkt, dass ihr großer Wunsch es ist, in den zwei Jahren Amtszeit etwas zu schaffen, was nachhaltig ist und von großem Nutzen für die Jugendlichen – worüber man noch in Jahren reden wird. Außerdem wünschten sie sich, dass sie noch ernster genommen werden im Gemeinderat, was sich dadurch zeigen könnte, dass sie die Verhandlungspapiere für Sitzungen im Vorfeld erhielten wie die erwachsenen Mitglieder. Daran wird gearbeitet, so versicherte uns ein Ratsmitglied, welches am Mobil für Kinderfreundlichkeit ebenfalls unseren Fragen stellte.

 


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