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Kinderreport 2007
Deutschlands Wissenschaftler schlagen Alarm: Kinderarmut hat verheerende Wirkungen für Gesellschaft und Staat“


Im neuen Kinderreport des Deutschen Kinderhilfswerkes schlagen Deutschlands Wissenschaftler Alarm!
Die umfangreiche Sammlung wissenschaftlicher Beiträge zu verschiedenen Aspekten der Kinderarmut in Deutschland stellen wir Ihnen heute erstmalig vor. Sozial benachteiligte Kinder ernähren sich ungesünder, bewegen sich weniger und sind verstärkten Belastungen der Umwelt ausgesetzt. Erschreckende Erkenntnisse zur Lage unserer Jüngsten und Ärmsten im Lande müssen die politisch Verantwortlichen in Deutschland endlich zum Handeln zwingen!

„Seit der Einführung von Hartz IV hat sich die Kinderarmut in Deutschland auf mehr als 2,5 Millionen verdoppelt, und sie wächst trotz zurückgehender Arbeitslosigkeit. Diese erschreckenden Fakten fordern alle zum Handeln heraus. Unsere Gesellschaft befindet sich in einer großen Umbruchsituation. Die Globalisierung hat inzwischen auch Deutschland erreicht. Dies kann und darf aber nicht auf Kosten unserer Jüngsten gehen! Deshalb rufe ich alle politisch Verantwortlichen auf, handeln Sie endlich!“, so Thomas Krüger, Präsident des Deutschen Kinderhilfswerkes heute in Berlin.

Das Deutsche Kinderhilfswerk hat einen Forderungskatalog zur Bekämpfung der Kinderarmut in Deutschland erstellt. Darin fordert es ein Nationales Programm für die Bekämpfung von Kinderarmut und einen eigenständigen Bericht der Bundesregierung. Diese soll dazu ein umfangreiches Maßnahmenpaket mit konkreten Zielvorgaben vorlegen.

Armut hat erhebliche Auswirkungen auf das Leben der Kinder: Sie bleiben immer häufiger in isolierten Wohnvierteln unter sich, ohne gute Schulen, Ausbildungsmöglichkeiten und ausreichende soziale Unterstützung. Zudem sind gerade die vielfach fehlenden Bildungschancen ein Problem, das „Armutskarrieren“ für die Zukunft vorprogrammiert. So gehen wichtige Potenziale der Kinder und Jugendlichen verloren. Das wird mittelfristig gravierende Auswirkungen auf die volkswirtschaftliche Leistung unseres Landes haben. Deutlich wird, Kinderarmut bedeutet viel mehr, als wenig Geld zu haben. So wie die unterschiedlichen Lebenslagen ineinander greifen, muss auch die politische Strategie aufgestellt sein: Arbeitsmarkt- und Beschäftigungspolitik sind ebenso zu berücksichtigen, wie Familien- und Bildungspolitik, Gesundheits- und Sozialpolitik sowie Stadtentwicklungs- und Wohnungsbaupolitik.

Das Deutsche Kinderhilfswerk fordert die Aufhebung der im Steuersystem verankerten Benachteiligung von Familienhaushalten mit Kindern und den Ausbau des Kindergeldes zu einer eigenständigen Kindergrundsicherung. Diese soll den allgemeinen und individuellen Bedarfen von Kindern Rechnung tragen und einen bestmöglichen Zugang zur Freizeit und zu gesunder Ernährung beinhalten. "Kinderarmut ist kein bedauerlicher Kollateralschaden der Massenarbeitslosigkeit oder die Folge mütterlicher Erwerbsabstinenz, sondern sie wird systematisch durch eine Abgabenordnung generiert, welche den obersten verfassungs- rechtlichen Grundsatz des Abgabenrechts - die Belastung nach Leistungsfähigkeit - für Kinder außer Kraft setzt und Durchschnittsverdiener schon bei nur zwei Kindern unter das Existenzminimum drückt!", betont Dr. Jürgen Borchert, Sozialrichter aus Darmstadt.

Das Deutsche Kinderhilfswerk fordert aber auch die gezielte Unterstützung von Kindern mit Migrationshintergrund über ein Bildungsprogramm, das um interkulturelle Inhalte ergänzt wird, und das eine gezielte Sprachförderung und die Beteiligung von diesen Kindern in besonderer Weise berücksichtigt. Weiterhin ist die Verbesserung der gesundheitlichen Beratung und Versorgung von Familien mit Migrationshintergrund durch eine verstärkte Öffnung und Erweiterung der bestehenden Gesundheitsdienste voran zu treiben. "Bildungsbenachteiligung führt zu mangelnder Beschäftigung und Integrationsdefiziten. So verlassen beispielsweise in NRW ca. 14 Prozent der ausländischen Jugendlichen die Schule ohne Abschluss und damit doppelt so viele wie im Durchschnitt der Gesamtbevölkerung. Wer sich damit abfindet, verweigert Kindern und Jugendlichen eine faire Chance und gefährdet den sozialen Frieden“, so Petra Klug, Projektmanagerin der Bertelsmann Stiftung. Was kann Wissenschaft konkret tun? Dazu Prof. Dr. Ronald Lutz (FH Erfurt): „Ich stelle mir vor, dass wir benachteiligte Kinder nicht nur im Mittelpunkt unserer Aufmerksamkeit haben, sondern sie auch in den Mittelpunkt der Maßnahmen stellen. Das wäre eine Aufforderung zu Konzepten, die nicht nur eine Verbesserung familienpolitischer Leistungen und einer Erhöhung von Regelsätzen fordern, sondern sich vor allem in einer kindgerechten Planung und Gestaltung einer sozialen, erzieherischen und auch Bildung vermittelnden Infrastruktur niederschlagen, die sich präventiv gegen die Folgen von Armut bei Kindern wendet“.
Der vorliegende Kinderreport beleuchtet die Lebensräume sozial benachteiligter Kinder, sowie die Aspekte Kinderarmut und Medien bzw. Gesundheit und Ernährung. Einen weiteren Schwerpunkt bildet die Sicht auf Kinder mit Migrationshintergrund. Zum Schluss finden Sie Vorschläge und Anregungen, wie es in Deutschland gelingen kann, Wege aus der Kinderarmut zu finden.

„Zukunft ist wertvoll. Die Gestalter dieser Zukunft werden unsere Kinder sein. Der Kinderreport 2007 zeigt deutlich, wie fahrlässig wir mit unserer Zukunft umgehen. Allein schon die enorme Kinderarmut und die eklatanten Schwächen unseres Bildungssystems sind Skandale, die eine sensible, moralisch verantwortliche und zukunftsorientierte Gesellschaft zu Massenprotesten auf die Straße treiben sollte. Wir wollen mit dem Kinderreport einen Beitrag dazu leisten, dass das Bewusstsein in unserem Land wächst und endlich gehandelt wird“, betont Gernot Körner, Geschäftsführer von Family Media.

Der „Kinderreport 2007“ erscheint Mitte November 2007im Velber-Verlag und hat die ISBN-Nummer 978-86613-417-1.


Für Rückfragen:

Sylvia Mertsching
Leiterin der Infostelle des Deutschen Kinderhilfswerkes
030/30 86 93 27





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