Am 12. Bundestreffen engagierter Kinder und Jugendlicher beteiligten sich rund 110 junge Menschen aus 26 verschiedenen Projekten. In einem Open Space diskutierten sie die Frage „Lernen, bewegen, essen – gleiche Möglichkeiten für alle Kinder. Wie geht das?“ Dabei kamen sie zu ganz interessanten Ergebnissen.
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Florian und Hakan besuchen von Anfang an die gleiche Schule und sie lernen bis zum Schulabschluss zusammen, Sophie und Ayleen gehen gemeinsam in den Sportverein und bei Chris stehen Obst und Gemüse genauso auf dem Speiseplan wie bei Juri. Ist sowas tatsächlich möglich? Wie es funktionieren könnte – darüber haben sich rund 110 Kinder und Jugendliche aus ganz Deutschland in Hannover ausgetauscht. Dort trafen sie sich zum 12. Bundestreffen engagierter Kinder und Jugendlicher, das vom Deutschen Kinderhilfswerk in Kooperation mit der Stadt Hannover veranstaltet wurde. Schirmherrin war Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt.

Erstmals wurde beim Bundestreffen die Methode des Open Space angewandt. Damit wurde sichergestellt, dass die Kinder und Jugendlichen ihre Themen komplett selbst auswählten und sie sich nur an den Diskussionsrunden beteiligten, die sie wirklich interessierten. Für die meisten der Teilnehmenden war es eine ganz neue Erfahrung, so zu arbeiten und es war wirklich spannend, mit welcher Themenvielfalt sich die Kinder und Jugendlichen schließlich befassten.

Spannende Themen
„Die Sachkenntnis der Kinder und Jugendlichen zu den Themen unserer Zeit war faszinierend“, so schätzte es die Bundesgeschäftsführerin des Deutschen Kinderhilfswerkes Dr. Heide-Rose Brückner ein. Mehr als 20 Themen wurden aufgegriffen. So diskutierten die Kinder und Jugendlichen zum Beispiel über ein einheitliches Schulsystem für alle Kinder. Oder darüber, wie wir von Mikrowelle und Aufbackpizza loskommen und wie die Essensversorgung in der Ganztagsschule aussehen sollte. Wo bleibt die Chancengleichheit, wenn Studiengebühren erhoben werden? Aber auch solche Themen, wie „Geld zerstört Kinderherzen“ oder der Umgang mit Menschen, die anders sind – aus welchen Gründen auch immer - wurden angesprochen.
Wichtige Ergebnisse
Um allen Kindern und Jugendlichen die gleichen Chancen für ihre Entwicklung zu bieten, müssen einige grundlegende Dinge geschaffen werden, so die einhellige Meinung aller Teilnehmenden am Bundestreffen.
In Sachen Bildung forderten sie die Abschaffung des dreigliedrigen Schulsystems, einheitliche Lehrpläne und Schulbücher in allen Bundesländern, die Einführung eines einheitlichen Abiturs und keine Studiengebühren für das Erststudium. Die Teilnehmenden waren sich darin einig, dass eine gute Bildung für alle die Grundlage für die wirtschaftliche Wettbewerbsfähigkeit und die Zukunftsfähigkeit Deutschlands ist und dass wir es uns nicht leisten können, das vorhandene Potential ungenutzt zu lassen.

Beim Thema Gesundheit und Ernährung ging es um einen gerechten Zugang zu gesunden Lebensmitteln für alle Menschen. Familien, die aus finanziellen Gründen vorrangig bei Discountern einkaufen, müssen auch dort gesunde und für sie erschwingliche Lebensmittel vorfinden. Ein weiteres wichtiges Thema war das Mittagessen, insbesondere in Ganztagsschulen. Hier sprachen sich die Kinder und Jugendlichen dafür aus, dass das Essen gesund und schmackhaft und vor allem bezahlbar für alle sein muss. Für Kinder aus sozial schwachen Familien soll es einen Fonds geben, der für sie das Mittagessen finanziert. Außerdem forderten sie eine Einschränkung der Werbung für Süßwaren und Fertigprodukte sowie ein Umdenken der Industrie hin zur Produktion gesünderer Lebensmittel. Und sie forderten Warnhinweise auf Süßigkeiten ähnlich wie bei Zigaretten.
Bei den Diskussionen rund um den Schwerpunkt Bewegung forderten die Kinder und Jugendlichen vor allem günstigere Sportangebote. Sportplätze und Turnhallen in den Schulen müssen auch nach Unterrichtsschluss für alle zugänglich sein. Angebote in Sportvereinen oder Sport- und Freizeitparks müssen für alle bezahlbar sein.
Kreative Ideen
In den anschließenden Kreativworkshops visualisierten die Kinder und Jugendlichen das im Open Space Erarbeitete auf die unterschiedlichste Weise. Es gab Plakatentwürfe, Buttonvorlagen, Stickervorlagen, Postkartenentwürfe, Fotostories, Bildschirmpräsentationen, es gab einen HipHop-Song, ein Video zum Thema Gewalt an Schulen und es entstand ein wirklich sehr guter Radiospot, der Dank der Unterstützung des NDR in hoher Qualität produziert wurde.

Einsatz für eigene Interessen
Das Bundestreffen hat einmal mehr gezeigt, dass Kinder und Jugendliche selbst sehr gute Ideen und Lösungsvorschläge für die Probleme in Schule und Gesellschaft haben. Es hat sich gezeigt, dass Kinder und Jugendliche das Thema Chancengleichheit nicht nur auf arm und reich beschränken, wie es oft von Erwachsenen getan wird. Sie erarbeiteten sich eine weitaus größere Palette an Fragestellungen, die ihnen wichtig sind, angefangen von Schuluniformen über ein einheitliches Schulsystem, Mittagessen an der Schule, Mobbing bis hin zu Rechtsextremismus und vieles mehr.

Entspannende Momente
Neben der intensiven Arbeit zum Thema des 12. Bundestreffens hatten die Kinder und Jugendlichen aber auch Zeit, sich zu entspannen. Dies taten sie zum einen in der CAMPO Aktiv-Arena, wo sie sich ganz intensiv dem Thema Bewegung widmeten und in der sich alle sehr wohl gefühlt haben. Zum anderen nutzten sie die Gelegenheit, den Kinderwald Hannover, den die meisten bisher nur aus Erzählungen bei früheren Bundestreffen kannten, zu besuchen und sich von der Ideenvielfalt, mit der die Hannoveraner Kinder und Jugendlichen aus einer Brachfläche ein wirklich faszinierendes Erholungs- und Erkundungsgebiet gemacht haben, zu überzeugen
.

Tatkräftige Unterstützung
Das 12. Bundestreffen war zum einen deshalb so erfolgreich, weil die teilnehmenden Kinder und Jugendlichen sehr ernsthaft und interessiert beim Open Space und in den Kreativworkshops mitgemacht haben.
Zum anderen verdanken wir das Gelingen auch der tatkräftigen Unterstützung von Partnern, Helfern und Sponsoren. Deshalb möchte sich das Deutsche Kinderhilfswerk vor allem im Namen der Kinder und Jugendlichen ganz herzlich bedanken:
- Stadt Hannover
- Jugendherberge Hannover
- Akademie des Sports Hannover
- CAMPO Aktiv-Arena
- Kinderwald Hannover
- Teamerinnen und Teamern aus Hannover
Und wir bedanken uns bei allen Sponsoren, die uns sehr großzügig finanziell bzw. mit Sachspenden unterstützt haben:
- Dirk Rossmann AG
- Bibliographisches Institut & F. A. Brockhaus AG
- ELECTRONICS ART GmbH
- Ravensburger AG
- EGMONT Verlagsgesellschaften mbH
- Pelikan Vertriebsgesellschaft mbH & Co. KG
- edding Aktiengesellschaft
- Hemme Milch Niedersachsen
> Radiospot zum Download (WMA Datei)
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11.11. - 12.11.2010