Vom 26. bis 29. September 2008 trafen sich rund 100 Kinder und Jugendliche zwischen acht und 18 Jahren in Trier zum 13. Bundestreffen engagierter Kinder und Jugendlicher. Unter dem Motto „Chancengleichheit für ALLE Kinder – Fit für die Medienwelt“ diskutierten sie die unterschiedlichsten Themen rund um die Artikel 13 und 17 der UN-Kinderrechtskonvention.
Das Recht auf Information und das Recht auf Zugang zu den Medien sind für die Kinder und Jugendlichen keineswegs selbstverständlich. Es gibt zwar Unmengen an Informationsquellen und die Bandbreite der zur Verfügung stehenden Medien reicht vom Althergebrachten wie Zeitung und Rundfunk bis zu dem, was man heute Neue Medien nennt, wie Handy und Computer. Aber nicht jedem stehen sie zur Verfügung und nicht jeder kann damit auch umgehen.
Schon beim Thema Fernsehen gehen die Meinungen weit auseinander. Nicht nur, dass es rund um die Uhr Fernsehen gibt – die Zeiten, in denen es noch Sendepausen gab, sind lange vorbei -, es gibt auch unglaublich viele Fernsehsender, öffentlich-rechtliche, wie ARD und ZDF, aber vor allem Privatsender, wie RTL, SAT1 und VOX. In einer Themenrunde beschäftigten sich vor allem die Jüngeren damit, welche dieser vielen Fernsehsender denn auch kinderfreundlich sind. Am besten schnitten dabei noch der Kinderkanal und SuperRTL ab. Die meisten anderen Sender wurden von ihnen als kinderunfreundlich bewertet. Es gibt da kaum kindgerechte Sendungen und oft ist Gewalt mit im Spiel. Um zu verdeutlichen, was sie unter kinderfreundlichem Fernsehen verstehen, bemalten die Kinder T-Shirts und präsentierten sich damit auf der Abschlussveranstaltung.
Für die älteren Teilnehmerinnen und Teilnehmer stellte sich die Frage: Warum gibt es eigentlich keine Nachrichtensendung für Jugendliche? Für die jüngeren gibt es die Nachrichtensendung logo und im Videotext der ARD gibt es spezielle Teletextseiten mit Nachrichten für Kinder. Und dann gibt es die Tagesschau, die heute-Sendung oder auch die RTL-Nachrichten. Aber was machen die Jugendlichen? Viele Erwachsene werfen Kinder und Jugendliche einfach in einen Topf, dabei sind die Bedürfnisse beider Gruppen doch sehr unterschiedlich. Das brachten die Jugendlichen in einem Werbespot für jugendgerechte Nachrichten zum Ausdruck und wie sich auf der Abschlusspräsentation zeigte, trafen sie damit genau den Nerv der Jugendlichen.
Dein Lieblingssong läuft gerade im Radio und du hast ihn noch nicht auf deinem mp3-Player? Kein Problem! Wozu gibt es schließlich das Internet. Und wenn man will, dann bekommt man den Song sogar für lau. Aber ist das auch legal? Einige Teilnehmerinnen und Teilnehmer beschäftigten sich mit dieser Frage und setzten ihre Meinung dazu in einer Fotostory mit dem Titel „Illegal! Legal! Egal!“ um. Sie versetzten sich zum einen in die Rolle derer, für die Musicdownload aus dem Internet etwas Selbstverständliches ist, für das man nicht bezahlt und zum anderen nahmen sie die Rolle der legalen Downloader, die dafür auch zahlen, ein. Anhand einer fiktiven Geschichte demonstrierten sie, was illegaler Download heißt, welche Konsequenzen das haben kann und wie teuer es am Ende wird. Zum Schluss waren sich alle einig, dass es gescheiter ist, für einen Song 99 Cent zu zahlen, als am Ende mit einer Strafe von bis zu 5.000 Euro dazustehen.

Nicht nur Musik kann man im Internet finden. Auch Spiele sind bei Downloadern beliebt. Doch auch hier lauern Gefahren. Denn mit so einem heruntergeladenen Spiel kann man sich leicht auch einen Virus auf die Festplatte holen. Und wenn man ganz großes Pech hat, sind alle Daten verloren und es bleibt einem nichts weiter übrig, als die Festplatte neu zu formatieren. Aber man kann sich auch vor Viren aus dem Internet schützen. Dazu gibt es eine Vielzahl von Antivirenprogrammen, die man sich zum Teil auch kostenlos aus dem Internet holen kann. Eine Gruppe von Teilnehmerinnen und Teilnehmern beschäftigte sich damit und zeigte in einem kleinen Videospot, für den sie sich ein wirklich lustiges Skript einfielen ließen, dass die kostenlosen Programme nicht in jedem Falle auch die besten sind. Manchmal lohnt es sich, auch hier ein paar Euro zu investieren, um dann auf der sicheren Seite zu surfen.

Bei ganz vielen Kindern und Jugendlichen hat es sich in der Zwischenzeit herum gesprochen, dass es die UN-Kinderrechtskonvention gibt und dass sie damit auch über eigene Rechte verfügen. Allerdings gibt es immer noch Erwachsene, denen das noch nicht so bekannt ist. Wie sich so was auswirkt und wo man Hilfe finden kann, das zeigten einige Kinder und Jugendliche in einem kleinen Theaterstück. Auch hier ging es um das Recht auf Information, das der Vater seinem Kind verwehrte. Computer sind nichts für Kinder, Zeitungen lesen nur Erwachsene und ähnliche Sprüche gab es da zu hören. Hilfe gab es diesmal beim Jugendamt. Denn Kinder und Jugendliche können sich hier auch Rat holen, wenn sie mit ihren Eltern mal nicht so klar kommen. In dem Theaterstück ging natürlich alles gut aus, nicht zuletzt weil der Jugendamtsleiter in Wirklichkeit Superman in Sachen Kinderrechte war :-).

Einen Computer zu besitzen – das ist schon was. Man kann spielen, surfen, chatten und sich stundenlang damit beschäftigen. Bedenklich wird es allerdings, wenn man nur noch den Computer zum Freund hat. Welche Auswirkungen das haben kann, zeigten einige Jugendliche auf einer Postkarte. Sie nannten sie „Medienverwahrlosung“ und wollten damit deutlich machen, dass es keine gute Idee ist, sich nur noch mit dem Computer zu beschäftigen. Denn zum einen verliert man damit den Kontakt zu anderen, die realen Freunde werden immer weniger und man nimmt am Leben eigentlich gar nicht mehr teil. Und zum anderen kann es auch zur Folge haben, dass man in der Schule nicht mehr mitkommt, weil man sich gar nicht mehr mit dem Unterrichtsstoff beschäftigt und am Ende mit einem ziemlich miesen Zeugnis dasteht und womöglich eine Ehrenrunde in der Schule drehen muss. Es ist in Ordnung und notwendig, sich mit Computern zu beschäftigen und zu lernen, wie man damit umgeht. Aber man sollte nicht vergessen, dass es auch viele Dinge gibt, die Spaß machen und die notwendig sind, bei denen es nicht um Computer geht.

Ein spannendes Thema für die Kinder und Jugendlichen war es auch, wie Computerspiele denn eigentlich zu ihrer Altersbeschränkung kommen. Wer entscheidet denn darüber, ob ein Spiel schon ab 6 Jahren oder erst ab 16 Jahren frei gegeben ist? Welche Kriterien spielen dabei eine Rolle? Kann sich der Computerspielehersteller gegen die Altersbeschränkung wehren? Die Kinder und Jugendlichen sammelten die Antworten auf diese Fragen und schrieben sie in jugendgerechter Form auf Poster. Sie erklärten, welche Gremien es dazu gibt und welche Wege so ein Spiel gehen muss, um schließlich mit der entsprechenden Alterskennzeichnung ins Computerspielegeschäft zu gelangen. Anschaulich stellten sie dar, welche Kriterien für welche Altersgrenze ausschlaggebend sind und listeten die gängigsten PC-Spiele entsprechend ihrer Altersbegrenzung auf.

Wie entsteht eigentlich ein Zeitungsartikel? Wo bekommt man die Informationen her? Worauf muss man achten? Was ist wichtig und was kann man weglassen? Und wie muss so ein Zeitungsartikel eigentlich geschrieben sein, damit er für Kinder und Jugendliche interessant ist? Mit all diesen Fragen beschäftigte sich eine Gruppe von Kindern, die von einer Lokalreporterin des Trierischen Volksfreunds tatkräftig unterstützt wurde. Zusammen schrieben sie einen Artikel über das Bundestreffen, der dann auch sowohl in der Printausgabe des Trierischen Volksfreunds als auch in der Online-Ausgabe abgedruckt wurde. Einige aus der Gruppe sind auch in ihren Projekten dabei, wenn dort Öffentlichkeitsarbeit gemacht wird und sie konnten eine Menge Tipps mit nach Hause nehmen.
Spannend wurde es auch in der Gruppe, die sich mit Webseitengestaltung beschäftigte. Wie sollte eine Webseite zum Thema Kinderrechte aussehen? Welche Inhalte muss sie bieten? Welche Rubriken sollten berücksichtigt werden? Und nicht nur die Inhalte sind interessant, auch die grafische Gestaltung muss so sein, dass Kinder auf der Seite verweilen. Da muss Farbe ins Spiel! Die Gruppe entwarf eine Seite, die all dies zu berücksichtigen versuchte und damit es nicht nur was zum Lesen gibt, drehten sie auch vier kleine Videospots zu unterschiedlichen Kinderrechten, die sie gleich in die Webseite einpassten. Information alleine genügt also nicht, sie muss auch ansprechend und kurzweilig gestaltet sein, damit Kinder und Jugendliche sie auch annehmen.

Viel Spaß hatten die Kinder und Jugendlichen auch bei der Gestaltung ihres eigenen Frühstücksgeschirrs zum Thema Medien. Besonders die jüngeren entwickelten dabei viel Kreativität. Und sie wünschten sich, dass es Porzellanhersteller gibt, die die Kinderentwürfe als Vorlage für ihre Serienproduktion nehmen. Wer weiß, vielleicht gibt es ja tatsächlich einmal ein Frühstücksset, das von Kindern entworfen wurde.
Neben all der Arbeit, die die Kinder und Jugendlichen beim Bundestreffen leisteten, gab es auch Gelegenheit zur Entspannung. Und das ging gleich am Eröffnungsabend los. In lustigen Spielen mischten sich die einzelnen Gruppen und so gab es gleich am Anfang die Gelegenheit, auch mal über den eigenen Tellerrand hinweg zu sehen und sich mit anderen auszutauschen und Kontakte zu knüpfen.
Die meisten der angereisten Gruppen hatten sich an dem Wettbewerb „Ein Logo für das Bundestreffen“ beteiligt. Bereits zum 13. Mal gab es das Bundestreffen, aber so ein richtiges Erkennungszeichen, das allen zeigt „Aha! Hier geht es um das Bundestreffen engagierter Kinder und Jugendlicher“, gab es bisher nicht. Was lag also näher, als diejenigen, die dieses Treffen alljährlich mit Leben erfüllen, dazu aufzurufen, so ein Erkennungszeichen zu entwerfen? Um es gleich zu sagen: ALLE haben sich ganz große Mühe gegeben und die Entscheidung fiel wirklich nicht leicht. Aber schließlich konnte es nur einen Gewinner geben und nachdem alle Kinder und Jugendlichen abgestimmt hatten, stand der Siegerentwurf fest: Die Kinder aus dem Rostocker Freizeitzentrum hatten den besten Einfall! In Zukunft wird also das Bundestreffen engagierter Kinder und Jugendlicher das Erkennungszeichen aus Rostock tragen.


Am Samstagabend gab es dann einen Riesenspaß mit der SingStarShow. Die Media Markt GmbH hat es sich nicht nehmen lassen, den Teilnehmerinnen und Teilnehmern des 13. Bundestreffens eine Playstation 2 mit SingStar-Ausrüstung zu sponsoren und alle, von den Jüngsten bis hin zu den Betreuerinnen und Betreuern, waren dabei. Eine Kinderjury bewertete die Auftritte zusätzlich und für alle gab es dank vieler weiterer Sponsoren Preise, egal ob sie nun besonders gut oder sogar supergut waren. Langeweile hatte an diesem Abend niemand.
Wenn man schon mal zu Gast in Deutschlands ältester Stadt ist, dann sollte man sich da auch ein wenig umsehen. Gelegenheit dazu gab es am Sonntagabend bei einer Stadtführung durch das historische Trier, um die Stadt aus der Sicht eines römisch-trierischen Patriziers kennen zu lernen. Die Stadtführer waren dabei in traditionelle Togen gekleidet und vermittelten in authentischem Erzählstil einen Eindruck aus der Zeit der Stadtgründung Triers.
Das 13. Bundestreffen war für alle Beteiligten spannend und lehrreich und wird ihnen hoffentlich noch eine Weile in guter Erinnerung bleiben. Ohne die Unterstützung zahlreicher Partner vor Ort und ohne die Hilfe vieler Sponsoren wäre es jedoch nicht möglich gewesen, dieses Bundestreffen durchzuführen. Deshalb möchte das Deutsche Kinderhilfswerk an dieser Stelle allen Dank sagen, die zum Gelingen des 13. Bundestreffens beigetragen haben:
| dem Land Rheinland-Pfalz | ![]() |
| der Stadt Trier, insbesondere dem Jugendamt | ![]() |
| dem Exhaus | ![]() |
| der Sparkassenstiftung der Stadt Trier | |
| dem Trierischen Volksfreund | |
| dem triki-Büro der Stadt Trier | |
| der Media Markt GmbH | |
| der Deutschen Telekom | |
| der FOL International GmbH | ![]() |
| der ELECTRONIC ARTS GmbH | ![]() |
| dem KOSMOS Verlag | |
| der HABA GmbH | ![]() |
| der edding International GMBH | |
| der KAHLA/Thüringen Porzellan GmbH | ![]() |
| den S. Fischer Verlagen | |
| dem dtv junior Verlag | |
| der Herlitz PBS AG | |
| der Dr. Rolf Hein GmbH & Co. KG (Pustefix) | ![]() |
| der SIMBA TOYS GmbH & Co. KG | ![]() |
Aufsuchen statt Abwarten – Aufsuchende Handlungskonzepte in der Jugendsozialarbeit
11.11. - 12.11.2010